Der Tagesspiegel : Land plant Sprachtests für alle Kinder

Eine Sprecherzieherin soll in jeder Kita arbeiten

Thorsten Metzner

Potsdam - In Brandenburg soll ab Herbst 2007 jedes Kind spätestens ein Jahr vor der Einschulung auf seine sprachlichen Fähigkeiten untersucht werden. Das kündigte Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) am Donnerstag in Potsdam an. Mit den Tests und möglicher individueller Sprachförderung im Anschluss will Brandenburg erreichen, dass weniger Kinder mit Sprachschwierigkeiten eingeschult werden, als es derzeit der Fall ist. Um dies in die Praxis umzusetzen, soll an jeder der 1700 Kitas eine Erzieherin zur Sprechspezialistin weitergebildet werden. Das Kabinett hat dafür im Rahmen seines im Herbst beschlossenen Programms zur Förderung von Kindern und Familien rund 400 000 Euro bewilligt. Allerdings gibt es noch Streit mit den für die Kitas zuständigen Kommunen, die eine Mitfinanzierung bislang ablehnen.

Die Sprach-Diagnosen sind nur ein Bestandteil der für dieses Jahr geplanten Novelle des Schulgesetzes, mit dem das Land weitere Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden bei den Pisa-Studien ziehen will. Die Schulen im Land müssten leistungsorientierter werden und stärker erziehen, „das ist in den 90er Jahren zu tief gehängt worden“, sagte Rupprecht. Dazu sollen landesweit einheitliche Leistungstests eingeführt und die Schulen regelmäßig von externen „Visitatoren“ besucht werden. Zugleich will Brandenburg Begabte stärker fördern als bislang. Künftig soll es an 35 der 70 Gymnasien im Land spezielle Begabtenklassen mit musischem, naturwissenschaftlichem oder sprachlichem Profil geben. Sie lösen die bisherigen Schnellläuferklassen ab, bei denen das Abitur nach 12 Jahren getestet wurde.

Nach dem Zeitplan des Ministers soll das neue Schulgesetz im Dezember beschlossen werden. 2007/2008 wird damit in Brandenburg das Abitur nach 12 Jahren eingeführt. Außerdem wird es „Kopfnoten“ zur Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens in den Zeugnissen geben – mit einer Notenskala von 1 bis 4. Dies solle den Unterschied zu herkömmlichen Fach-Noten deutlich machen, sagte Rupprecht.

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