Landtag : Linke-Politiker reagiert auf Stasi-Vorwurf

Der unter Stasi-Verdacht geratene Landtagsabgeordnete der Linken, Gerd-Rüdiger Hoffmann, lässt sein Amt als Kreisvorsitzender der Partei in Oberspreewald-Lausitz vorerst ruhen.

Gerd-Rüdiger Hoffmann (Linke)
Gerd-Rüdiger Hoffmann nennt Bedingungen für die Niederlegung seines Mandats. (Archivbild)

Senftenberg - Der unter Stasi-Verdacht geratene Landtagsabgeordnete der Linken, Gerd-Rüdiger Hoffmann, lässt sein Amt als Kreisvorsitzender der Partei in Oberspreewald-Lausitz vorerst ruhen. Das bestätigten Mitglieder des Kreisvorstandes dem Tagesspiegel. Hoffmann habe den vorläufigen Amtsverzicht auf einer Mitgliederversammlung des Kreisverbandes am Sonnabend erklären lassen, an der er selbst wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte.

Hoffmann beteuerte in der Erklärung nochmals, sich nicht erinnern zu können, 1970 eine Verpflichtungserklärung für die Stasi unterschrieben zu haben. Der heute 57-jährige kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion soll als Jugendlicher und Soldat als „IM Schwalbe“ für die Stasi gearbeitet haben. Er bestritt dies bislang. Nachdem eine handschriftliche Verpflichtungserklärung auftauchte, räumte er nun in seiner Erklärung ein, dass es eventuell „eine Kluft zwischen seiner Erinnerung und der Realität gebe“.

„Gerd-Rüdiger Hoffmann war damals gerade 17, als er angeblich diese Erklärung abgegeben hat“, sagt Anton Faust, der Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes Oberspreewald-Lausitz ist: „Da sind so viele Fragen offen“. Daher habe der Kreisverband auch beschlossen, dass sich Hoffmann nach seiner Genesung den Fragen und der Bewertung der Basis stellen muss. „Das ist keine Entsolidarisierung oder Diffamierung“, sagt Anton Faust: „Wir wissen, was Gerd-Rüdiger Hoffmann hier im Kreis geleistet hat, er genießt große Anerkennung. Aber nun sind diese Anwürfe gegen ihn aufgetaucht und die kann man nicht einfach beiseiteschieben. Es besteht Klärungsbedarf“.

Faust sagte, die Mitgliederversammlung sei nicht wegen Gerd-Rüdiger Hoffmann einberufen worden, sondern wegen der Wahl eines Kandidaten für die Landratswahl und der Abgeordneten für den Landesparteitag. Er habe selbst in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche mit dem Beschuldigten geführt, in dem dieser immer wieder beteuert habe, sich nicht an die Verpflichtungserklärung erinnern zu können. „Es ist schade, dass er jetzt so schwer erkrankt ist“, sagte Kreisvorstandsmitglied Faust: „Aber das hat sicher viel mit dem öffentlichen Druck auf ihn zu tun.“ Ob Hoffmann auch auf sein Landtagsmandat verzichtet, ist offen. Er hatte dies bisher abgelehnt, obwohl er von seiner Landtagsfraktion dazu aufgefordert worden war. das

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