Der Tagesspiegel : Lausitzring: Auf der künftigen Rennstrecke beginnt der Endspurt

Claus-Dieter Steyer

Gut zwei Monate vor der Eröffnung des Lausitzringes herrscht auf der künftigen Rennstrecke schon Hochbetrieb. Lautes Motorengedröhn empfängt den Besucher, wenn er durch die breiten Öffnungen zwischen den Tribünenwällen aufs riesige Gelände blickt. Baufahrzeuge aller Art drehen hier ihre Runden. In einem günstigen Augenblick tritt so mancher Fahrer etwas kräftiger aufs Gaspedal, um wenigstens auf einem kurzen Stück des fertigen Asphaltbandes einmal das Gefühl eines Rennfahrers auszukosten. So scheint es jedenfalls. Vielleicht liegt der etwas ungestüme Fahrstil aber auch ganz einfach am Zeitdruck: Am 20. August steigt die große Eröffnungsparty mit viel Prominenz und einigen Überraschungen. Rund 1000 Bauleute von 140 Firmen haben zum Endspurt angesetzt.

Bereits im nächsten Frühjahr sollen die ersten großen Open-Air-Konzerte und Festivals stattfinden. "Die Anlage ist dafür hervorragend geeignet", sagt Frank Reinhardt, Vorstandsmitglied der von Peter Schwenkow geführten Deutschen Entertainment AG. "Die asphaltierte Fläche hinten den Boxen bietet Platz für 50 000 bis 70 000 Zuschauer." Deshalb habe die seit 22 Jahren im Show-Geschäft erfahrene AG den Kooperationsvertrag mit der Lausitzring-Gesellschaft gern abgeschlossen. Nicht zuletzt durch den Umbau des Olympiastadions stünde in Berlin nur eine eingeschränkte Platzkapazität zur Verfügung. Da sei es schon günstig, auf eine andere Arena zurückgreifen zu können.

Künstler- oder Grupppennamen wollte Reinhardt noch nicht nennen. "Alle Verträge brauchen mindestens einen neunmonatigen Vorlauf. Da ist die Zeit einfach zu früh, um schon Details zu planen", sagte das Vorstandsmitglied. Doch es gebe nicht sehr viele Künstler, die heute noch große Arenen füllen könnten. Dazu gehörten Tina Turner, die Rolling Stones oder Mario Müller-Westernhagen. Das große Rätseln über das Auftaktkonzert kann also beginnen. "Wir liegen voll im Zeitplan", versichert Pressesprecher Christian Hammerich bei einem Rundgang über die Baustelle von Europas künftig größter Sport- und Erlebnisstätte. Dennoch müssen die Termine eng bemessen sein, denn der ursprünglich für den 17. Juni vorgesehene Tag der offenen Tür wurde abgesagt. Der Ablauf dürfe nicht behindert werden, hieß es von der Projektleitung. 325 Millionen Mark werden verbaut, davon kommen 241 Millionen aus der Landeskasse.

Der Blick von einem der blauen Plastikstühle auf der überdachten Haupttribüne lässt die Dimensionen des Ringes erahnen. 590 Hektar umfasst das Areal in einem früheren Braunkohlentagebau. Schon jetzt sind die einzelnen Grand-Prix-Kurse für Automobile und Motorräder auszumachen. Anders als bei den meisten anderen Formel-1-tauglichen Strecken können die meisten Zuschauer den gesamten Rennverlauf von ihrem Platz aus verfolgen. "Der Lausitzring gleicht eher einer Arena oder sogar einem großen Stadion", erklärt der Pressesprecher.

In Amerika sind solche ovale oder runde Kursen die Regel, um möglichst viele Zuschauer anzulocken. Deshalb stehen die Chancen nicht schlecht, dass im nächsten Jahr die amerikanische Champ-car-Serie ihre Premiere in Europa auf dem Lausitzring vollzieht. "Die Verhandlungen laufen", bestätigt Hammerich. Die baulichen Vorbereitungen sind dafür schon fast abgeschlossen. Denn für die amerikanischen Rennwagen entstand eine separate Boxengasse, die sich etwas von der für die Formel 1 unterscheidet.

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