Lebensmittel : Angeblicher Etikettenschwindel mit Bio-Eiern

Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Geflügelhöfe, die den Berliner Einzelhandel beliefern: Der Herkunftsnachweis auf vielen Bio-Eiern sei falsch. Die beschuldigten Hersteller weisen die Darstellung zurück.

Stefan Jacobs
Bio-Eier
Die Bio-Produktreihen zahlreicher Einzelhandelsketten sollen betroffen sein. -Foto: dpa

Bestensee/BerlinBestensee/Berlin - Die Tierschutzorganisation Peta erhebt Betrugsvorwürfe gegen einen der größten Eierproduzenten der Region. Sollte sich der Verdacht bestätigen, haben tausende Käufer von angeblichen Freiland- und Bio-Eiern bei Kaiser’s, Edeka, Rewe und Penny in Wahrheit Eier „aus einer tierquälerischen Bodenhaltung hinter einem Gitterverschlag“ erhalten. Weil den Hennen auch der vorgeschriebene Auslauf fehle, sei zudem Anzeige wegen Tierquälerei erstattet worden, sagte Edmund Haferbeck von Peta. Betroffen sei auch Hipp-Babynahrung.

Die Vorwürfe richten sich gegen die Firma „Landkost Ei“ aus Bestensee mit einem weiteren Betriebsteil in Spreenhagen sowie gegen den „Biogeflügelhof Deersheim“ in Sachsen-Anhalt. Der zertifizierte Biohof soll laut Haferbeck als eine Art „Strohmann“ benutzt worden sein, um die konventionell produzierten Eier zu vermarkten. Anhand heimlich aufgenommener Videobilder von überfüllten Ställen ohne reale Auslaufmöglichkeiten will Peta den behaupteten Schwindel beweisen, an dem die Beteiligten laut Haferbeck rund zehn Millionen Euro verdient haben könnten. Denn Freiland- und Bio-Eier sind teurer als solche aus konventioneller Bodenhaltung.

Landkost-Geschäftsführer Heinz Pilz bezeichnete die Vorwürfe von Peta als „ausnahmslos falsch und unbegründet“. Die Anschuldigungen beruhten womöglich auf Unwissenheit; man bereite rechtliche Schritte gegen den Verein vor. Auch der Biohof Deersheim wies die Vorwürfe zurück.

Peta geht davon aus, dass die Eier großenteils nach Berlin geliefert worden sind. 300 000 Stück sollen täglich umetikettiert worden sein. Die betroffenen Handelsketten kündigten an, die Vorwürfe gegen ihre Lieferanten zu prüfen. „Noch haben wir keine Stellungnahme“, sagte Marius Lissai, Einkaufsleiter von Edeka. „Aber das erwarten wir natürlich.“ Landkost sei „einer unserer großen Eierlieferanten“. Bei Kaiser’s-Tengelmann hieß es: „Wir recherchieren das Thema gemeinsam mit dem KAT.“ Die Abkürzung bezeichnet den „Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen“. Laut Selbstdarstellung im Internet ist KAT „die wichtigste Kontrollinstanz“ für die Herkunft der Eier, allerdings „von Unternehmen der Eierwirtschaft gegründet“, also nicht unabhängig.

Was wirklich an den Vorwürfen dran ist, blieb zunächst unklar: Bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft hieß es, die Anzeige müsse erst geprüft werden. Und der Leiter des Veterinäramtes Oder- Spree gab zumindest für den Standort Spreenhagen Entwarnung: Die dortigen Ställe würden sogar die strengen Bio-Anforderungen erfüllen, „wobei Bio nicht automatisch Freiland sein muss“. Außerdem dürften die Hennen wegen der Vogelgrippe seit dem Herbst 2005 nur noch auf Antrag ins Freie. Solche Anträge habe der Spreenhagener Betrieb mindestens alle drei Monate gestellt, so dass das Etikett „Freiland“ gerechtfertigt sei. Für den Standort Bestensee sagte der Amtstierarzt des Kreises Dahme-Spreewald: „Bei uns war die Freilandhaltung in diesem Jahr zumindest bis zum 20. Oktober erlaubt.“ Er kontrolliere Landkost seit 15 Jahren und habe bisher nichts zu beanstanden gehabt.

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