Der Tagesspiegel : LKW raste in Reisebus – mindestens ein Toter auf der A9

Fahrer übersah vermutlich das Stauende. Zuvor war ein Chemietransporter umgekippt. Einige der 35 Verletzten schweben noch in Lebensgefahr

Thorsten Metzner,Claus-Dieter Steyer

Von Thorsten Metzner

und Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Bei einem schweren Busunglück wurden am gestrigen Mittwoch mindestens ein Mensch getötet und 35 Menschen verletzt, zehn davon schwer. Auf der Autobahn 9 Leipzig – Berlin war am Nachmittag zwischen Brück und Beelitz ein Lastwagen in einen mit 35 Menschen besetzten Reisebus gefahren. Dabei wurde dieser auf einen vor ihm fahrenden Laster geschoben. Bei dem Todesopfer handelte es sich um einen der LKW-Fahrer. Das teilte die Polizei in Potsdam mit.

Den ganzen Nachmittag und Abend liefen die Bergungsarbeiten auf Hochtouren. Die Autobahn war in Richtung Berlin voll gesperrt. Der Bus von der Firma „Bus + Reisen“ aus Parchim war mit Reisenden aus dem Altenpflegezentrum Sternberg im Lankreis Parchim besetzt. Sie waren auf der Rückreise vom Urlaub in Kroatien und zwischen 60 und 70 Jahren alt. Die Verletzten wurden mit sechs Rettungshubschraubern in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Notfall-Seelsorger kümmerten sich um die teilweise unter Schock stehenden Fahrgäste.

Der Reisebus stand am Ende eines Staus, als gegen 13. 15 Uhr ein LKW in das Stauende raste. Der auffahrende LKW von der Firma „Brandner Logistik“ stammte vermutlich aus Österreich.

Die Bundesautobahn 9 in Richtung Berlin wurde nach dem Unfall voll gesperrt. Die Verkehrsteilnehmer wurden an der Anschlussstelle Brück umgeleitet. Ab Anschlussstelle Michendorf war die Bundesautobahn 10 wieder befahrbar. Bei Redaktionsschluss dauerten die Bergungsarbeiten und die Ermittlungen zur Klärung der Unfallursache noch an. Vor Ort befanden sich Einsatzkräfte der Autobahnpolizei des Schutzbereichs Brandenburg sowie Rettungskräfte und Angehörige der Feuerwehr.

Der Stau auf der A 9 war die Folge eines anderen Unfalls, der sich am Vormittag ereignet hatte: Dabei war auf dem südlichen Berliner Autobahnring zwischen dem Dreieck Potsdam und der Anschlussstelle Ferch ein mit neun Chemiefässern beladener Lastwagen von der Fahrbahn abgekommen und umgestürzt. Der Fahrer des LKW wurde im Fahrerhaus verletzte sich leicht und klemmte sich im Fahrerhaus ein. Er musste von der Feuerwehr befreit werden und wurde ins Krankenhaus Potsdam gebracht.

Bei dem Unfall wurden außerdem vier der neun 400 Kilogramm schweren Fässer auf die Fahrbahn geschleudert. Aus einem der beschädigten Fässer trat chemische Flüssigkeit aus, nach Polizeiangaben jedoch nur in geringen Mengen.

Bei den Chemikalien handelte es sich um Trichloräthylen, das in Verbindung mit Luft die Atemwege reizt. Laut Polizei bestand aber keine Gefahr für Menschen und Umwelt. Dennoch wurden die im Stau stehenden Autofahrer über Polizeifunk und über die Radiosender aufgefordert, ihre Wagen nicht zu verlassen, die Fenster geschlossen zu halten und die Klimaanlagen auszuschalten. Die Feuerwehr war mit 28 Mann und sieben Fahrzeugen im Einsatz und setzte Atemgeräte ein. Die Bergungsarbeiten dauerten bis zum Nachmittag und späten Abend an, da für Beseitigung der Chemikalien spezielle Einsatzgeräte benötigt wurden.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) machte sich nach Angaben seines Ministeriums auf den Weg zu dem verunglückten Reisebus und LKW. Er verließ deshalb in Doberlug-Kirchhain im Elbe-Elster-Kreis vorzeitig eine Veranstaltung, bei der 130 Bundeswehrsoldaten ins afghanische Kabul verabschiedet wurden.

Auch der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Gottfried Timm, (SPD) eilte nach Angaben seines Ressorts zur Unglücksstelle. Die Autobahn in Richtung Berlin wurde ab Brück voll gesperrt.

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