Der Tagesspiegel : Max-Grünebaum-Preis: Brücken von Cottbus nach London

Sandra Dassler

Nachdenklich verlief die diesjährige Verleihung der Max-Grünebaum-Preise an junge Künstlerinnen und Studenten am Cottbuser Staatstheater. Die 84-jährige Londonerin Ursula Hulme, die für ihr Engagement in der europäischen Initiative für Kunsttherapie für Schwerkranke von der englischen Königin geehrt wurde, überreichte die begehrten Auszeichnungen.Ursula Hulme gehörte zu den Gründern der ungewöhnlichen Stiftung, die den Namen des jüdischen Tuchfabrikanten Max Grünebaum trägt. Wegen seines sozialen Engagements wurde Grünebaum 1908 Ehrenbürger von Cottbus. Später mussten seine Nachkommen vor den Nazis nach England emigrieren. Nach 1990 beantragten Grünebaums Enkel, darunter Ursula Hulme und ihr Bruder Karl M. Newmann für ihr verloren gegangenes Eigentum Entschädigung. Anders als beispielsweise in Strausberg, wo jüdische Alteigentümer beschämende Erfahrungen sammelten, trafen sie in Cottbus auf offene Ohren und Herzen. Auch deshalb legten die Grünebaum-Erben einen Großteil ihrer Entschädigung in der Stiftung an, die "Kunst und Wissenschaft in Cottbus fördern und Brücken nach London schlagen" will. Schauspielerin Susann Thiede, eine der Preisträgerinnen, bedankte sich bei den aus England angereisten Erben: "Gerade nach dem 11. September 2001 ist es für mich unglaublich, dass Menschen, die hier so viel Unrecht erlitten haben, sich nun wieder für Cottbus engagieren." Helmut Brannahl, Ex-Präsident des Cottbuser Landgerichtes und Vorsitzender der Grünebaum-Stiftung fasste in einem Luther-Zitat zusammen, was viele Anwesende bewegte: "Wir können nicht hindern, dass böse Gedanken wie Vögel durch die Luft fliegen. Aber wir können hindern, dass sie auf unseren Köpfen Nester bauen."

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