Kurt Beck : Blick nach vorn

In den nächsten Wochen entscheidet sich, wie die SPD personell und thematisch in den Wahlkampf-Ring steigen wird. Wenn die Spitzenpolitiker jetzt so tun, als wäre die Aufregung um Franz Münteferings Rückkehr in die Politik nicht zu verstehen - dann ist sie wohl berechtigt.

Robert Birnbaum

Wenn Spitzenpolitiker behaupten, sie verstünden die ganze Aufregung nicht, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Aufregung völlig berechtigt ist. Die SPD versteht angeblich derzeit kollektiv nicht, weshalb der Rückkehr des Franz Müntefering ins Polit-Geschäft so viel öffentliche Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dabei ist nichts leichter zu verstehen als das. In den nächsten Monaten, vielleicht schon Wochen entscheidet sich, mit welcher personeller Aufstellung und inhaltlicher Nuancierung die SPD in den Wahlkampf 2009 zieht. Und diese Entscheidung ist womöglich offener, als man so denkt.

Um nur ein paar Fragen zu stellen: Wie soll eigentlich ein Parteichef Kurt Beck die Kanzlerkandidatur seinem Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier antragen, ohne selbst als Gescheiterter dazustehen? Steinmeier ist ja kein Obama, dessen Glanz so hell strahlt, dass an ihm kein Weg vorbeiführte. Oder, nächste Frage: Wieso soll ein Parteichef Beck sich eigentlich die Chance entgehen lassen, mit einem ziemlich mauen SPD-Ergebnis 2009 Kanzler zu werden? Man muss gar nicht die Linkspartei ins Spiel bringen. Es genügt eine kleine Ampel-Rechnung, um zu zeigen, dass Angela Merkel die Wahl gewinnen und die Macht trotzdem verlieren kann. Eine rot-gelb-grüne Ampel ist viel leichter zu basteln als eine hochseetaugliche Fähre nach Jamaika.

Beck oder Steinmeier, Agenda oder Revision, freie Hand für Links-Verbünde West oder eher nicht – in diesem ganzen Geflecht von Optionen ist Müntefering der dritte, der unberechenbare Faktor. Er kommt, und er bringt gleich ein Buch mit, Arbeitstitel „Blick nach vorn“. Nach Vermächtnis aus abgeklärter Schaukelstuhl-Perspektive klingt das nicht direkt. Schon verständlich, weshalb in der SPD mancher die Aufmerksamkeit lieber nicht verstehen mag, die diese Rückkehr findet.

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