Porträt : "Wir planen langfristig mit Wulff"

David McAllister ist CDU-Chef in Niedersachsen - ein Porträt.

Klaus Wallbaum

Wer geglaubt hatte, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sei mit seinem Abgang als CDU-Landeschef auf dem absteigenden Ast, der sieht sich durch seinen Nachfolger David McAllister widerlegt: „Wir planen langfristig mit Wulff als Ministerpräsidenten, über die Landtagswahl 2013 hinaus“, betonte der neue Chef vor den Parteitagsdelegierten. McAllister bleibt loyal zu Wulff, schließlich verbindet beide eine lange gemeinsame Zeit.

Dabei sind sie so unterschiedlich: Wulff war immer Einzelgänger und Kopfmensch, überzeugte durch seinen Fleiß und gewann Mehrheiten mit der Gabe, Netzwerke zu knüpfen. Auch McAllister hat solche Netzwerke, braucht sie aber nicht. Er kann leidenschaftlich reden, trifft die Parteiseele und wird deshalb von der Basis geliebt. Wulff hingegen wird geachtet. Der 37-jährige McAllister wuchs in Berlin auf, erlebte die Mauer hautnah. Sein Vater, ein Schotte, war Offizier der britischen Rheinarmee. Als David elf war, zog die Familie ins kleine Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven. Das Ländliche an der CDU, wo Schützenfeste und Kungeleien in der Dorfpolitik eine wichtige Rolle spielen, hat McAllister geprägt. Viele halten ihn deshalb für einen Vertreter des konservativen Flügels der Partei, für den der 2003 verstorbene Wilfried Hasselmann die Leitfigur war und ist. Doch der Jurist und Rechtsanwalt McAllister, den die SPD-Opposition wegen seiner zuweilen lockeren Art als „Bierzeltkasper“ beschimpfte, entzieht sich parteiinternen Versuchen der Vereinnahmung. Als gemutmaßt wurde, er gehöre zu einem Kreis Konservativer in der Union um den Württemberger Stefan Mappus und den Bayern Markus Söder, dementierte McAllister umgehend.

McAllister trägt die fortschrittlich-liberale Ausrichtung der CDU, für die Wulff steht, voll und ganz mit. Er engagiert sich für eine bessere Familienförderung, unterstützt die Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, will die Union für Umweltschützer öffnen und für Migranten – wie er selbst einer ist. Er gehöre zur Minderheit der Deutsch-Schotten, die 0,0001 Prozent der Bevölkerung ausmachen. „Und doch bin ich integriert und sozialisiert“, scherzt er. McAllister hat eine gute Beobachtungsgabe und ein Gespür für politische Stimmungen, außerdem bewahrt er sich sein jugendlich-lockeres Auftreten. Er habe „seine Frische behalten“, lobt der FDP-Landesvorsitzende Philipp Rösler. Beide sind sehr gut befreundet.

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