Meinung : Ringen um Frieden in Nahost: Zu spät und zu früh

Clemens Wergin

Die USA haben sich zurückgemeldet im Nahen Osten. Und man weiß nicht genau, ob viel zu spät oder doch etwas zu früh.

Viel zu spät kommt die Initiative deswegen, weil jegliches Vertrauenskapital aufgebraucht ist, das sich in den Jahren der Kooperation zwischen Israel und den Palästinensern angesammelt hatte. Peres sagt zwar das, was er immer sagt: Der Friedensprozess ist noch nicht tot. Doch angesichts der kriegsähnlichen Szenen in Israel und den besetzten Gebieten ist das ein Zweckoptimismus, an den keiner mehr glaubt.

Etwas zu früh kommt die Initiative deswegen, weil die beiden Dickschädel Arafat und Scharon wohl immer noch nicht begriffen haben, dass es so nicht weitergehen kann. Arafat glaubt noch stets, er könnte den Konflikt so weit eskalieren lassen, dass sich die UN gezwungen sähe, wie im Kosovo einzugreifen. Und Scharon lässt lieber seine Berater herumerzählen, man überlege, Arafat zu stürzen, anstatt den Realitäten ins Auge zu sehen: Auch mit F 16-Bombern lassen sich die Palästinenser nicht mundtot machen. Die Eskalation im Nahen Osten ist unumgänglich gewesen.

Und das liegt - daran sei erinnert - vor allem an Arafat, der die ausgestreckte Hand Baraks nicht ergriffen hat. Frustriert haben die Israelis Scharon gewählt, weil der Frieden und Sicherheit versprach - und Härte. Und so sind diese Wochen auch ein schmerzhafter Lernprozess, gepflastert mit Toten: Die Politik der Härte führt zu mehr Instabilität und Terror. Die Israelis haben nicht mehr Sicherheit bekommen, sondern nur Arafat eine Lektion erteilt, die da sagt: Wenn Du weiter eskalierst, musst Du mit allem rechnen.

Die Amerikaner haben einerseits die Position Israels ergriffen - das heißt, keine Verhandlungen, bevor es nicht zu einem Waffenstillstand gekommen ist. Andererseits sind sie auch den Palästinensern entgegengekommen, indem sie Israel auffordern, als Geste des guten Willens den Ausbau der Siedlungen zu stoppen. Genauso richtig ist es aber auch, keine weitergehenden Vorschläge zu machen. Man kann die Kontrahenten nicht zum Verhandlungstisch tragen. Fortschritte wird es nur geben, wenn sowohl Israel als auch die Palästinenser der Meinung sind, dass es jetzt genug ist - zu viel der Toten.

Wenn Arafat einsieht, dass er die Terroristen im Zaum halten und verhindern muss, dass Scharfschützen und Granatwerfer weiterhin Israelis beschießen. Und wenn Scharon realisiert, dass ihn die Bombenangriffe auf die besetzten Gebiete und die Einschnürung der Palästinenser nicht voranbringt. Doch zu diesen Einsichten müssen beide Seiten alleine kommen. Und deswegen ist es besser, dass die USA nicht mehr wie unter Clinton eigene Vorschläge unterbreiten, sondern sich als letzten Ausweg anbieten.

Die USA haben einen Rettungsring geworfen, der noch einsam vor sich hindümpelt. Bisher gerieren sich Arafat und Scharon noch immer als harte Krieger und unbeugsame Ideologen. Doch die Kaiser sind nackt - und mit ihrem politischen Latein längst am Ende. Eine Bankrotterklärung - und doch die einzige Hoffnung auf Besserung.

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