SPD vor der Spaltung? : Guter Rat ist treuer

Wie er sich müht. Jetzt hat er doch noch die Geschichte bemüht, die große der Sozialdemokraten – auf dass sie ihn, den Parteichef, nicht verraten. Was angesichts des Umfragendesasters passieren könnte.

Stephan-Andreas Casdorff

Unter Kurt Beck ist der Trend kein Genosse mehr. Auf 21 Prozent, so tief wie nie, sinkt sie; von stolzer SPD ist nicht die Rede. Außer bei Beck. Aber was bleibt ihm auch. Er muss werden, was er ist, ihr Anführer nämlich; und es muss werden in der Partei, das Selbstbewusstsein für eine Auseinandersetzung aufgrund klarer Kenntnis der Fakten. Auseinandersetzung, das Wort sagt es schon: sich notfalls auseinanderzusetzen. Mit der Koalition, in der Koalition und mit der „Linken“.

Gegen die Lafontainisten, die USPD-isten hilft doch auch, was immer hilft: mehr über die wahre Wirklichkeit zu wissen. Die Hintergründe zu den Zahlen und Daten zu kennen, ist unerlässlich für den, der nur schon die Thesen der Linkspartei infrage stellen will. Wer das nicht schafft, der wird verlieren, die Auseinandersetzung und Wähler. Das geschieht gerade.

Und noch mehr, wenn die Sozialdemokraten sich noch länger als Sozialdarwinisten betätigen – das war der zutreffendste Begriff dieser Tage. Wie sie miteinander umgehen, nach oben wie nach unten austeilen: das unsolidarisch zu nennen, ist das wenigste. Beck kann auf nichts mehr bauen als auf die scheinbare Lust mancher Genossen am Untergang. Von Ferne erinnert das an Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“, eine Erzählung. Da muss ein Betrieb aus dem Dreck gezogen werden, und sie schreibt: „Mancher schien toll vor Schadenfreude darüber, dass mitten auf hoher See das Schiff sank, mit dem er selbst fuhr.“

Wer sagt, dass die SPD nicht sinken kann? Wer sagt, dass es sie, die 145 Jahre alt ist, so auch 146 Jahre geben muss? Wer sagt, dass es nicht eine weitere Abspaltung geben kann? Das wäre diesmal eine der Agenda-Anhänger. Die Liberaldemokraten haben sich doch auch von der Labour-Partei abgespalten. Auf zehn Prozent könnten die Clements und andere als „Sozialliberale“ hierzulande schon kommen.

Noch hat sich diese Idee nicht verbreitet. Erreicht sie aber die Kongresse, könnte daraus eine Welle werden – eine der Empörung auch. Und die Partei würde von neuer interner Auseinandersetzung noch mehr geschwächt.

Die SPD sollte sich vielleicht bemühen, es nicht so weit kommen zu lassen.

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