Der Tagesspiegel : Neuanfang in der Ferne - meist nur ein Traum

SABINE KAUFMANN

POTSDAM .Weiße Sandstrände, Palmen, in deren Schatten sich träumen läßt, Klippen, von denen man die tosende Brandung bestaunen kann: Am anderen Ende der Welt glauben viele Deutsche, ihr Kap der guten Hoffnung zu finden.Vor allem nach schillernden Fernsehberichten über exotische Länder steige die Zahl der Ausreisewilligen sprunghaft an, sagt die Beraterin vom Potsdamer Auswanderungsbüro des Deutschen Roten Kreuzes, Eugenia Gilde.Statt fünf Anfragen pro Tag müsse sie dann 20 beantworten.Besonders im Herbst wollen Deutschlandverdrossene ihrer Heimat für immer den Rücken zu kehren - doch meistens bleibt es beim Pläneschmieden.Sie müsse "den Klienten oft klar machen, daß der Alltag im Ausland kein Spaziergang unter Palmen ist", sagt die Expertin.

Arbeitslosigkeit sei eines der Hauptmotive zum Auswandern.Die Verkäuferin Monika Grunow träumt davon, sich in Tunesien eine Existenz aufzubauen.Sie will dort "ein Café oder eine Pizzaria" eröffnen.Die Ausreiseberaterin Eugenia Gilde hilft ihr weiter: Zunächst sollte die Brandenburgerin einen Einbürgerungsantrag bei der tunesischen Botschaft stellen.Für eine Gewerbeerlaubnis in Nordafrika Land müßte sie sich mit der Handelskammer in Verbindung setzen.

Der Lastwagenfahrer Jürgen Henze will seinen "Jugendtraum Amerika" verwirklichen: Mit dem Truck unterwegs auf den Fernstraßen von Texas und New Mexiko."Wenn ich jetzt meine Sachen nicht packe, werde ich es als Rentner bereuen", sagt der 41jährige.Ohne Aussicht auf einen Job werde er Europa jedoch nicht verlassen.Seit zwei Jahren spielt er bei der "Green Card-Visa Lotterie" mit, bei der US-Arbeitsgenehmigungen verlost werden.

Klassische Einwanderungsländer wie Australien und Kanada haben strenge Reglements für Immigranten.Nach einem bestimmten Schlüssel würden Punkte für die Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse der Anwärter verteilt, erzählt Gilde.Erreicht man die vorgeschriebene Punktzahl, öffnen sich die Grenzen.Mit ein paar hunderttausend Mark in der Tasche könne man sich jedoch fast überall auf der Welt niederlassen.Nach Angaben des Potsdamer Rot-Kreuz-Büros, das seit acht Jahren existiert, steigt die Zahl an Auswanderungswilligen.Das Gros der rund 2000 Kunden, die sich 1997 dort haben beraten lassen, bleibt letztlich jedoch zu Hause.Vielen, die in Deutschland nicht klar kommen, erscheint die Flucht ins Ausland als Rettungsanker.Oft scheitere sie jedoch schon an "der simpelsten Hürde", sagt Eugenia Gilde: an ausreichenden Sprachkenntnissen.

Das DRK-Auswanderungsbüro, Eisenhartstr.5, ist wochentags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.Telefon: 0331/293284

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