Der Tagesspiegel : Neue Vorwürfe in Affäre um SS-Kontakte

Frank Jansen

Spremberg/Berlin – Die Affäre um die Kontakte des CDU-Politikers Egon Wochatz zu ehemaligen SS-Männern weitet sich offenbar aus. Nach Informationen der „Lausitzer Rundschau“ hat auch der Spremberger CDU-Kandidat bei den kommenden Landtagswahlen, Andreas Kottwitz, jahrelang in Verbindung zu ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS und anderen deutschen Kriegsteilnehmern gestanden. Kottwitz hat außerdem 1993 ein Buch mit dem Titel „Spremberg ist Frontstadt“ veröffentlicht, in dem am Anfang wie eine Art Grußwort ein Zitat von Graf Schwerin von Krosigk steht, dem Finanzminister des NS-Regimes. Am 7. Mai 1945, dem Tag vor der endgültigen Kapitulation der deutschen Streitkräfte, sagte Krosigk, „wir verneigen uns in dieser schwersten Stunde des deutschen Volkes und seines Reiches in Ehrfurcht vor den Toten dieses Krieges, deren Opfer unsere höchste Verpflichtung sind“. Schwerin wurde 1949 als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Auf Anfrage des Tagesspiegel zögerte Kottwitz, sich von dem Zitat zu distanzieren. „Aus heutiger Sicht sollte man überlegen, ob der Zitatgeber der Richtige ist“, sagte der CDU-Landtagskandidat. Seine Kontakte zu einstigen Soldaten der Waffen-SS nannte Kottwitz eine „rein heimatgeschichtliche Sache“. Das Vorwort zur 3. Auflage von Kottwitz’ Buch (Auflage 3000 Stück) hatte Wochatz verfasst. Der Chef der CDU-Fraktion im Kreistag von Spree-Neiße steht wegen seiner Treffen mit SS-Veteranen in der Kritik. Der CDU-Kreisvorstand sprach ihm Dienstag eine Missbilligung aus – abtreten muss Wochatz aber nicht.

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