Der Tagesspiegel : Neues Thermalbad: Kurstadt Templin eröffnet heute um 11.11 Uhr seine Naturtherme

Claus-Dieter Steyer

Die kleine Kurstadt Templin in der Uckermark feiert heute genau ab 11.11 Uhr die Eröffnung des größten Brandenburger Thermalbades. Allerdings war dieser Spitzenplatz nicht besonders schwer zu erreichen: Allein Bad Saarow bot bislang das Vergnügen einer durch unterirdische Quellen erwärmten und obendrein noch gesundheitsfördernden Erlebniswelt unter dem Hallendach. In nächster Zeit werden auch Bad Wilsnack, Belzig und Rheinsberg mit so einer Attraktion aufwarten können.

Rund zwei Jahre hat der Bau der "Naturtherme" Templin am Rande des 14 000 Einwohner zählenden Ortes gedauert. Der Name solle ein Hinweis auf die Architektur des Gebäudes sein, sagt Kurdirektor Uwe Mohr. Fast unmerklich füge sich das Bad in die überwiegend flache Umgebung ein. Außerdem komme damit die Besonderheit der Anlage zum Ausdruck: Das jodhaltige Wasser für die Becken sprudele aus 1630 Meter Tiefe nach oben. Genau 57,5 Grad Celsius messe die Temperatur. Der Salzgehalt liege bei 15 Prozent.

Doch die Gäste brauchen keinen Hitze- oder Salzschock zu befürchten. Für das Wellen- und Sprudelbecken, den Strömungskanal, die Whirlpools oder die Außenbecken mit Wasserfällen und Grotten wird das Wasser auf 32 bis 35 Grad Celsius abgekühlt. Ein Salzgehalt von maximal 1,5 Prozent lässt den erwarteten Nordseecharakter kaum schmecken. Nur in der Felsgrotte tropft eine sechsprozentige Salzlösung herab, die wie eine künstliche Inhalationsanlage wirken soll.

Anders als die Betreiber in Bad Saarow will die Templiner Kurdirektion bewusst den Spagat zwischen Gesundheits- und Spaßbad wagen. Vormittags und über die Mittagszeit soll es in allen Bereichen möglichst ruhig zugehen, erklärt Thermen-Chef Georg Römer das Konzept. Dann werden vor allem Patienten aus der nahen Rehabilitationsklinik oder Gäste mit einer ambulanten Kur erwartet. Gutachten bescheinigen der Templiner Thermalsole Heilmöglichkeiten bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungssytems, der Atemwege, der Haut sowie des Herzens und bei Kreislaufschwächen. Auch bei Entwicklungsstörungen im Kindesalter empfehlen Fachleute eine Nutzung des besonderen Wassers.

Nicht zuletzt deshalb fiel wohl die Saunalandschaft besonders großzügig aus. Der Gast kann sich beispielsweise in einer orientalische Umgebung wie in den Märchen aus 1001 Nacht fühlen, ein "Bad der ägyptischen Könige" besuchen oder in finnischen, Bauern- und Steinsaunen schwitzen. Ein großes Freigelände mit beheizten Pflasterwegen bietet alle Möglichkeiten zum Abkühlen.

Nachmittags und abends wird es dagegen mit Sicherheit etwas lauter zugehen. Zwei Rutschen mit einer Länge von rund 200 Metern - eine bietet sogar das Erlebnis eines nächtlichen Sternenhimmels - finden gewiss ihre Anhänger. Es gibt sogar einen wöchentlichen Wettbewerb um den schnellsten Rutscher, der einen Preis erhält.

Die umstrittene Kombination aus Gesundheits- und Spaßbad soll möglichst viele Gäste anlocken. "Genau 542 Besucher müssen täglich im Schnitt die Drehkreuze passieren, um schwarze Zahlen zu schreiben", sagt Kurdirektor Mohr. Doch er sei angesichts des Ansturmes auf das Saarower Thermalbad optimistisch. Dort wurden im ersten Jahr rund 400 000 Gäste gezählt. Die Templiner Anlage kostete rund 68 Millionen Mark, von denen 80 Prozent aus den Kassen der EU, des Bundes und des Landes kamen.

Templin hofft auf viele Besucher aus Berlin. Nach dem Vorbild von Bad Saarow bietet die Deutsche Bahn auch für die Uckermark ein so genanntes Thermenticket an. Ab Montag sind im Preis von 29 Mark die Zugfahrt (stündlich zum Beispiel ab Lichtenberg) und ein dreistündiger Aufenthalt in der Therme enthalten. Geöffnet ist das Bad ab morgen von 9.30 bis 21.30 Uhr, freitags und sonnabends bis 23 Uhr. Eine Tageskarte kostet für Erwachsene 30 Mark, für Kinder 15 Mark, zwei Stunden sind für 16 Mark möglich. Der Saunabereich kann auch ohne Eintritt ins Bad genutzt werden. Auskünfte unter Telefon 03987/201 300.

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