Neuruppin : Unterricht unter Polizeischutz

Um sechs Uhr früh durchsuchen Sicherheitskräfte mit Sprengstoffspürhunden die Alexander-Puschkin-Oberschule in Neuruppin. Nach einer Amokdrohung ist am Donnerstag nicht an normalen Schulbetrieb zu denken.

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Polizei am Schultor - die Angst geht um in Neuruppin. -Foto: Fröhlich

 Fast 70 Polizisten sichern das Gebäude ab, im Hintergrund wartet das Spezialeinsatzkommando. Am Tor wird jeder kontrolliert, in der Schule durchsuchen Lehrer und Polizisten die Taschen und Jacken nach Waffen. Doch an diesem Morgen kommen nur 16 Schüler in den Backsteinbau, dabei sind hier 300 angemeldet. Schulleiter Jörg Sokolowski, 48, hatte es den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Und von den 25 Lehrern kommen auch nur 17.

Ausgelöst hat das alles ein 16-Jähriger aus der 10. Klasse. In einem Internetforum von Puschkin-Schülern hatte er geschrieben, am „Donnerstag wird die Schule geil“, auch das Wort „Amoklauf“ fiel. Am Dienstag alarmierten Schulleiter Sokolowski und ein Vater die Behörden, am Mittwoch wurden die Eltern informiert. „Es war ein vager Hinweis eines Schülers nach Hörensagen“, sagt Polizeisprecherin Dörte Röhrs.

In der Schule reden die Lehrer an diesem Morgen mit den wenigen Schülern über den Vorfall. Sokolowski sagt: „Wir versuchen so schnell wie möglich zum Alltagsgeschäft zurückzukehren.“ Die Drohung nehme er sehr ernst, aber „hier hat es nicht den Anschein, als ob es sehr ernsthaft gemeint war“.

Der 16-jährige Verfasser hatte ausgesagt, nicht Urheber der Drohung zu sein, sondern diese nur wiedergegeben zu haben. Die Polizei hat ihn als Beschuldigten vernommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Ein Ermittler spricht von einer „undurchsichtigen und verworrenen Geschichte“. Es gebe bei dem Schüler „keine Anhaltspunkte von Ernsthaftigkeit“, sagt der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer. „Er hat sich keine Gedanken über die Konsequenzen gemacht“ – etwa die Kosten für den Großeinsatz tragen zu müssen. Zumindest hat der Notfallplan gegriffen. Seit dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 registrierte das Landeskriminalamt 57 Drohungen – von konkreten Ansagen bis zur Prahlerei auf dem Schulhof. Im August legte das Bildungsministerium einen Handlungskatalog vor, mit dem die Schulen Notfallpläne erarbeiten sollten. „Damit wusste ich, wie ich reagieren musste“, sagt der Schulleiter. Auch für die Polizei in der Ostprignitz-Ruppin war es der erste Einsatz dieser Art, in der Schule haben die Beamten nichts gefunden. „Aber wir sind gut vorbereitet“, sagt Sprecherin Röhrs. „Wir haben ein altes Schulgebäude, dort üben die Kollegen den Ernstfall mit Farbmunition.“

Um zehn Uhr ist der Spuk vorbei. Die Schüler werden nach Hause geschickt, die Polizisten rücken ab. Doch auch am Freitag wollen sie noch einmal verstärkt Streife fahren. Alexander Fröhlich

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