Ost-SPD : Der Geist von Schwante ist Geschichte

Vor 20 Jahren gründete sich die Ost-SPD – in Gegnerschaft zur SED.

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Historischer Ort. In dem Pfarrhaus in Schwante fanden sich vor fast genau 20 Jahren DDR-Oppositionelle zusammen, um die Ost-SPD zu...dpa-Zentralbild

Schwante - Es ist Zufall und eine Ironie der Geschichte zugleich: Vor fast genau 20 Jahren wurde – ausgerechnet im Brandenburgischen – die sozialdemokratische Bewegung Ostdeutschlands ins Leben gerufen. Sie hatte einen Hauptgegner: die damalige SED, die sich später in PDS und noch später in Linkspartei umbenannte. In Schwante in der Nähe Oranienburgs gründeten 40 junge Frauen und Männer, unter ihnen zahlreiche Pfarrer, am 7. Oktober 1989 die SDP, die Sozialdemokratische Partei der DDR.

Das Datum war bewusst gewählt: Zum einen sollte es die Herrschenden provozieren, dass sich ausgerechnet am 40. Jahrestag der DDR eine oppositionelle Partei etablierte. Zum anderen glaubte man an diesem besonderen Tag, der den ganzen Sicherheitsapparat aufs höchste beanspruchte, der Stasi und den anderen Verfolgern erfolgreicher entwischen zu können.

Die Gegnerschaft der SDP zur Staatspartei resultierte nicht allein aus der Rolle der SED im dahinsiechenden real existierenden Sozialismus. Die Initiatoren der SDP trieb auch der Impuls, dass mit den Kommunisten, die die Sozialdemokraten über Jahrzehnte hinweg bekämpft und verfolgt hatten, eine Kooperation unmöglich geworden war.

Dass diese Abgrenzung zu den SED- Nachfolgern über zwei Jahrzehnte hinweg den Kurs der SPD in Brandenburg bestimmte, ging im wesentlichen auch auf diese im Pfarrhaus von Schwante begründete Tradition zurück – und auf die Ost-Sozialdemokraten der ersten Stunde: Stephan Hilsberg, Markus Meckel, Martin Gutzeit, Steffen Reiche und andere. Als 1990 darüber zu entscheiden war, ob Abtrünnige aus der SED/PDS einen Platz in der bald schon gesamtdeutschen Sozialdemokratie finden sollten, wehrten sich die aus der SDP kommenden Mitglieder gegen solche Übertritte. Später wurde das gelegentlich als eine verpasste Chance der SPD bezeichnet: Während CDU und FDP ihre anfänglichen Berührungsängste gegenüber Blockparteimitgliedern aus der DDR schnell überwanden, versagte sich die SPD solchem Zuwachs. sc

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