Der Tagesspiegel : Paradies am See

Zu Albert Einsteins 125. Geburtstag öffnet in Caputh eine Ausstellung über sein Sommerhaus

Claus-Dieter Steyer

Caputh. Man nehme einen See, ein Holzhaus, sandigen Boden, duftende Kiefern – und fertig ist das Paradies. So jedenfalls stellte es sich Albert Einstein vor. Er fand es gleich hinter Potsdam am Templiner See in Caputh. Dort bewohnte er zwischen 1929 und 1932 ein Sommerhaus, das seitdem den Namen des Genies trägt. Am heutigen Sonntag hätte Albert Einstein seinen 125. Geburtstag gefeiert. Doch sein Sommerhaus kann derzeit leider nicht besichtigt werden. Es wird bis zum nächsten Frühjahr restauriert, weil Deutschland dann ein richtiges Einstein-Jahr feiert: anlässlich des 50. Todestages des Nobelpreisträgers. Dennoch bleibt in Caputh der 125. Geburtstag des berühmtesten Bewohners nicht ohne Würdigung: Heute um 14 Uhr öffnet in Schloss Caputh eine Ausstellung über die 75-jährige Geschichte des Sommerdomizils. Wertvollstes Exponat ist eine Postkarte mit „herzlichen freundschaftlichen Grüßen und viel Liebe aus dem Sommer-Idyll Caputh“, geschrieben von Elsa und Albert Einstein im Juli 1930.

An seinem „Paradies“ fehlte Einstein nur eins. Als er einmal seinen Cousin Paul Koch in Frankreich besuchte und dieser ihn fragte, ob er Paris und die Seine nicht paradiesisch schön fände, schüttelte Einstein den Kopf und erzählte über Caputh – das allerdings einen Mangel habe: „Es gibt keinen Erzengel, der mit feurigem Schwert Gaffer und lästige Besucher vertreibt.“

Von seinem Sommerhaus, das ihm der Architekt Konrad Wachsmann baute, waren es nur wenige Schritte bis zum Wasser. Hier bestieg er sein Segelboot, ließ sich über den See treiben und genoss seine Tagträume. Doch Einstein konnte diese Idylle mit seiner Familie nur bis 1932 auskosten. Von einer Vorlesungsreise in die USA kehrte er nach dem Machtantritt der Nazis nicht wieder zurück, auch nach 1945 nicht – entgegen der Hoffnung der Sowjetunion. Sie ließ das Sommerhaus herrichten, aber Einstein setzte nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden.

Nach langwierigem Streit zwischen mehreren Erbengemeinschaften gehört das Einstein-Haus jetzt der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie will das Gebäude, in dem einst viele Nobelpreisträger zu Gast waren, wieder für Gesprächsrunden unter Wissenschaftlern und auch für Besucher öffnen.

Nur wenige Kilometer sind es von Caputh zum Einstein-Turm auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Doch auch dieses Bauwerk kann meistens nur von außen besichtigt werden. Das liegt aber nicht an Bauarbeiten, sondern an den laufenden wissenschaftlichen Arbeiten. Denn der 1924 nach einem Entwurf von Erich Mendelsohn fertiggestellte Turm ist heute Teil des Astrophysikalischen Institutes. Hier wurde einst die von der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagte Rotverschiebung von Spektrallinien im Schwerefeld der Sonne nachgewiesen. Und das Sonnenobservatorium ist noch ständig in Betrieb. Gelegentlich bietet aber die Potsdamer Urania Führungen durch den Turm an – Informationen unter Tel. 0331/29 17 41. (Meinungsseite)

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