Der Tagesspiegel : Paradies des weisen Mannes

Einsteins Sommerhaus in Caputh ist originalgetreu wiederhergestellt worden

Claus-Dieter Steyer

Caputh - Das einzige originale Utensil in Einsteins Sommerhaus in Caputh ist anderthalb Meter lang, einen Meter breit und steht auf vier kleinen Füßen: die Badewanne. Sie allein überstand alle Wechsel der Bewohner, die vielen Umbauten, den Leerstand und die Renovierungen. Alle anderen Gegenstände und Möbelstücke in dem Haus wurden in den vergangenen Monaten nachgebaut. Die Kosten dafür gehören zu der halben Million Euro, die die Bundesregierung und die Cornelsen Kulturstiftung für die Restaurierung des Hauses über dem Templiner See gegeben haben. Am morgigen Sonntag wird Einsteins Sommerhaus für geladene Gäste feierlich eröffnet – das allgemeine Publikum hat Eintritt ab nächstem Donnerstag.

Trotz der fehlenden authentischen Möbel und persönlichen Gegenstände verbreitet das Blockhaus eine besondere Stimmung. Schließlich verlebte Einstein hier in Caputh nach eigener Aussage seine glücklichsten Tage. „Mein Paradies befindet sich an einem Havelsee. Es besteht nur aus Holz, sandigem Boden und duftenden Kiefern. Dieses Paradies hat leider nur einen Mangel: Es gibt dort keinen Erzengel, der mit feurigem Schwert neugierige Gaffer und lästige Besucher vertreibt.“ So antwortete Einstein bei einem Frankreichbesuch auf die Frage seines Cousins Paul Koch, ob er denn Paris nicht paradiesisch schön fände.

Heute ist der von Einstein besonders geschätzte freie Blick auf den Templiner See, wo das geliebte Segelboot „Tümmler“ lag, leider mit Einfamilienhäusern verstellt. Das Grundstück hatten die Einsteins selbst gesucht und bezahlt, nachdem die vom Berliner Magistrat beabsichtigte Schenkung eines Anwesens zum 50. Geburtstag des damals schon weltbekannten Physikers gescheitert war.

Den Auftrag zum Bau des Sommerhauses erhielt der Architekt Konrad Wachsmann. Er arbeitete bei einer Holzhausfirma in Schlesien und las von Einsteins Bauplänen in der Zeitung. Unbekümmert stellte er sich daraufhin in dessen Berliner Stadtwohnung in der Haberlandstraße vor – und gewann auf Anhieb das Vertrauen. Im September 1929 zogen die Familie Einstein und ihre Haushälterin ein. Zum Lieblingsplatz wurden bald die große Terrasse und der darüber liegende Balkon. In Einsteins Arbeitszimmer standen ein eigens angefertigter Schreibtisch, ein gepolsterter Stuhl, ein Bett und ein Bücherregal. Bis 1932 war das Haus Treffpunkt vieler Wissenschaftler und Künstler. Bis es im November des Jahres mit dem Sommeridyll ein Ende hatte. Einstein fuhr auf eine Vortragsreise in die USA – und kehrte nach dem Machtantritt der Nazis nicht mehr zurück.

Das Sommerhaus – das dann Einsteins Stieftöchtern gehörte – wurde zum jüdischen Landschulheim, dann, nach Enteignung und Vertreibung der Kinder, zu einem Treffpunkt der Hitlerjugend, später zogen Luftwaffenoffiziere ein. Nach Kriegsende wurde es auf Befehl der sowjetischen Militärbehörden instand gesetzt – sie hofften auf eine Rückkehr Einsteins. Doch statt seiner zogen Flüchtlingsfamilien ein. 1979 richtete die Akademie der Wissenschaften der DDR hier ein Gästehaus ein. Heute gehört das Haus zu 70 Prozent der Hebräischen Universität Jerusalem, die den Nachlass Einsteins verwaltet, der Rest einer Erbengemeinschaft. Da Einstein testamentarisch verfügt hat, dass in seinen Wohnstätten keine Museen eingerichtet werden dürfen, soll das Haus in Caputh als Ort des wissenschaftlich-politisch-kulturellen Dialogs genutzt werden.

Besucher können das Haus ab 26. Mai donnerstags, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr besichtigen. Eine Voranmeldung für die einstündige Führung wird telefonisch unter 0331/27 17 80 (Einsteinforum) empfohlen. Erwachsene zahlen fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

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