Bundestagswahl : SPD und Linke geben Rot-Rot-Grün auf

Kurz vor der Wahl zeichnet sich ab, dass es nur für eine große Koalition oder Schwarz-Gelb-Grün reichen könnte. Doch FDP-Chef Lindner "fehlt die Fantasie für ein Jamaika-Bündnis".

Bald vom Tisch? Für eine Koalition aus Linken, SPD und Grünen sieht es derzeit schlecht aus.
Bald vom Tisch? Für eine Koalition aus Linken, SPD und Grünen sieht es derzeit schlecht aus.Foto: Martin Schutt/dpa

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl zeichnen sich in Umfragen nur eine erneute große Koalition oder ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen als mehrheitsfähig ab. FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich allerdings reserviert hinsichtlich eines Bündnisses mit den Grünen. „Für ein Jamaika-Bündnis fehlt mir inzwischen die Fantasie“, sagte er in einem am Freitag vorab veröffentlichten Gespräch mit dem Magazin „Focus“. Gleichzeitig schrieben SPD und Linkspartei eine gemeinsame Regierung nach der Bundestagswahl ab und schoben sich gegenseitig die Schuld dafür zu, dass diese Option derzeit Illusion ist.

Das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz hat an den Kräfteverhältnissen im Parteienspektrum kaum etwas verändert. Nach dem Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel verlor die Union zwar leicht in der Wählergunst, bleibt aber mit 38 Prozent und 16 Punkten Vorsprung deutlich stärkste Kraft vor der SPD (22 Prozent). Die Linke käme unverändert auf neun Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre.

Im Deutschlandtrend liegt die AfD sogar bei elf Prozent

Damit liegt sie gemeinsam mit der FDP, die einen Punkt auf neun Prozent abgab, und der AfD, die einen Punkt auf neun Prozent zulegen konnte, auf Platz drei. Die Grünen erreichen unverändert acht Prozent. Im ARD-Deutschlandtrend vom Donnerstag geben die Sozialdemokraten zwei Punkte ab auf 21 Prozent, die Union liegt unverändert bei 37 Prozent. Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) würde mit unverändert elf Prozent drittstärkste Kraft.

Ein rot-rot-grünes Bündnis wird mittlerweile von der Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, abgeschrieben. „Wenn man sich die Umfragen anguckt, kann man jetzt nicht ernsthaft noch in eine Kamera sagen, wir sehen gute Chancen für Rot-Rot-Grün“, sagte sie. „Man muss eben leider sagen, die SPD hat es vermasselt.“

SPD im Umfragetief

Die SPD habe die Hoffnung vieler Menschen enttäuscht, die glaubten, Schulz würde seine Partei auf einen sozialdemokratischen Weg zurückführen. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gab die Vorwürfe zurück: „Es ist die Linke, vor allem Sahra Wagenknecht, die gegen die SPD hetzt, wo sie nur kann“, sagte sie der „Wirtschaftswoche“. „Uns ist es nicht gelungen, das Linksbündnis zu einem Projekt zu machen.“

Trotz der schlechtesten SPD-Umfragewerte seit seiner Wahl zum Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden gibt sich Martin Schulz zuversichtlich. Fast die Hälfte der deutschen Wähler sei zweieinhalb Wochen vor der Wahl noch unentschlossen. „Die Menschen in diesem Land wollen Informationen. Sie wollen Argumente. Da sind wir optimistisch, denn wir haben die besseren“, sagte Schulz am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Würzburg. Die Union habe nur ein Argument und das heiße Angela Merkel. Dass noch 50 Prozent der Wähler unentschieden ist, sei die beste Nachricht für die Wahlkämpfer der SPD. „Wir haben ein gutes Programm vorgelegt.“

Aufruf zum Wählen

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil rief die Deutschen dazu auf, den Einzug der AfD in den Bundestag durch eine hohe Wahlbeteiligung zu verhindern. „Die hohen Umfragewerte für die rechtspopulistische AfD müssen für alle anständigen Demokraten in diesem Land ein Weckruf sein, zur Wahl zu gehen“, sagte Heil dem Tagesspiegel. „Wenn sich alle dieser Verantwortung bewusst werden, kann es gelingen, die AfD aus dem Parlament zu halten.“ Rechtspopulisten vergifteten das gesellschaftliche Klima und böten keine Lösungen für die Zukunft an. Tsp/rtr/dpa

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