Politik : Das Vertrauen Washingtons verspielt

Friedemann Diederichs

Es war nur ein kurzes Gespräch, wie sich Berater von US-Präsident George W. Bush erinnern. Der Ort: Das Weiße Haus, als sich dort der Republikaner und sein Vorgänger Bill Clinton am Tag der Präsidentenvereidigung begegneten. Viel Glück habe Clinton dem Nachfolger gewünscht, und dann noch einen Ratschlag gegeben, um den Bush nicht gebeten hatte: "Trauen sie Arafat nicht, er ist ein Lügner und wird sie immer enttäuschen." Was in der harschen Aussage Clintons mitschwang, war die Enttäuschung, trotz wochenlanger persönlich geführter Gespräche in Camp David die letzte Chance seiner Amtszeit zu einem historischen Friedensschluss im Nahen Osten vertan zu haben. Arafat bekam dies dann auch deutlich zu spüren, als er Clinton während dessen letzter Arbeitswoche anrief und ihm dazu gratulierte, ein "großer Präsident gewesen" zu sein. "Nein", entgegnete Clinton daraufhin, "ich hätte ein großer Präsident sein können. Doch Sie haben es verhindert."

Heute nun, angesichts der politischen Eiszeit zwischen Washington und Arafat, erfährt Bill Clinton eine späte Genugtuung. Arafat hingegen ist nun auf dem besten Weg, das Opfer seiner eigenen Erfahrungen mit der Clinton-Ära zu werden. Bis zuletzt gab er sich der Annahme hin, die über acht Jahre praktizierte Politik des Demokraten sei auch unter Bush weiter gültig - nämlich dass die USA nicht politisch reagieren würden, wenn palästinensische Extremisten die von Washington vermittelten Waffenstillstands-Vereinbarungen immer wieder brechen. Doch der 11. September hat Bush offensichtlich klar gemacht, dass ein Aussitzen der Nahost-Problematik und eine stets ausgewogene Verteilung der Sympathien letztlich auch gegen US-Interessen gehen würde. Die palästinensischen Medien sind voll mit Parolen gegen die USA und Palästinenser-Vertreter rufen immer wieder die arabische Welt dazu auf, gegen Amerika vorzugehen. Intern weist man deshalb im Weißen Haus in diesen Tagen darauf hin, dass Arafats Regime - vor allem die Fatah und "Force 17"-Brigade - durchaus den Tatbestand der Förderung des Terrorismus erfüllen.

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