Politik : Elf-Affäre: Sirvens "Who is who" macht Politiker in Europa nervös

Eric Bonse

Paris. Der ehemalige Elf-Manager Alfred Sirven sorgt in Frankreich weiter für Wirbel. Diesmal ist es ein Adressbuch des mutmaßlichen Milliarden-Betrügers, das die Gemüter erregt. Die 70-seitige, eng beschriftete "Hermes"-Agenda war auf mysteriösen Umwegen dem Pariser Boulevardblatt "Le Parisien" zugespielt worden. Sie enthält Dutzende prominente Namen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben Jean-Christophe Mitterrand, dem Sohn des früheren Staatspräsidenten Francois Mitterrand, tauchen auch Ex-Innenminister Pasqua und der frühere Wirtschaftsminister Madelin in Sirvens "Who is who" auf. Sogar der deutsche Dunkelmann Dieter Holzer ist mit einer Telefonnummer in Monaco verzeichnet.

Obwohl die Telefonnummern zumeist veraltet sind, sorgte die Veröffentlichung für erhebliche Aufregung in der "politischen Klasse" Frankreichs. Denn der Abdruck im "Parisien" und in der Illustrierten "Paris Match" wirft auf alle Betroffenen den Verdacht, in die dunklen Geschäfte Sirvens und seine mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen verwickelt gewesen zu sein. Dabei ist es eigentlich kein Wunder, dass die ehemalige "Nummer zwei" im damals staatlichen Ölkonzern Elf-Aquitaine glänzende Kontakte zur gesamten französischen Elite unterhielt. Überraschend ist, dass das Adressbuch, das von der Polizei in Manila gefunden wurde, so schnell den Pariser Medien zugespielt wurde. Allerdings haben die Zeitungen bisher noch jedes vertrauliche Detail der Elf-Affäre veröffentlicht. Zudem beruht der gesamte Elf-Prozess auf anonymen Denunziationen.

"Wir müssen alle Beteiligten zur Ordnung rufen", schimpfte der Präsident der Nationalversammlung, Raymond Forni. "Es geht nicht nur um das Adressbuch. Das Justizgeheimnis wird permanent verletzt, die Richter suchen spektakuläre Auftritte, die Polizisten rücken mit Informationen heraus."

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