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Gerhard Schröder zu seinem Rosneft-Job : "Ich werde das tun"

Bei einem Wahlkampfauftritt für die SPD verteidigt Gerhard Schröder seinen Einstieg beim russischen Staatskonzern Rosneft. "Ich stehe dazu", sagt der Altkanzler.

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Altkanzler Gerhard Schröder in Rotenburg bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD.
Altkanzler Gerhard Schröder in Rotenburg bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD.Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Die erste Frage an Gerhard Schröder hat eigentlich nichts mit Politik zu tun. Schafft Hannover 96 den Klassenerhalt? Ja, antwortet der Altkanzler bei seinem Wahlkampfauftritt in Rotenburg an der Wümme gut gelaunt, die hätten ja auch den richtigen Aufsichtsratsvorsitzenden ausgewählt. Damit spielt er auf ein Thema an, das ihn selbst in die Kritik und seine SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz in Erklärungsnot gebracht hat: Ende September soll Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft eintreten, in Moskau wird er sogar als möglicher Vorsitzender gehandelt. Harsche Kritik an Schröders Vorhaben gab es unter anderem vom CDU-Politiker und ehemaligen Berliner Justizsenator Thomas Heilmann in dessen Gastbeitrag im Tagesspiegel.

Schröder, hemdsärmelig und selbstbewusst, verteidigt seine Entscheidung und geht wie gewohnt direkt in die Offensive. Man müsse auch mal Dinge tun, mit denen nicht alle einverstanden seien. „Der Mainstream war noch nie ein Gewässer, das mich besonders interessiert hat“, sagt Schröder. „Diejenigen, die uns jetzt kritisieren, haben uns damals reinschreiben wollen in den Irak-Krieg.“ Dieselben Leute hätten heute ein Interesse an einem neuen Kalten Krieg, behauptet der frühere Bundeskanzler. „Stellt Euch mal vor, ich wäre nicht für Rosneft vorgeschlagen worden, sondern für Exxon in Amerika – alle wären begeistert“, ruft Schröder.

Die 300 Stühle im Buhrfeindsaal des Diakoniekrankenhauses Rotenburg sind bis auf den letzten Platz besetzt. Das Format erinnert an eine Talkshow, die Fragen stellt der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil, der Schröder in seinen Wahlkreis eingeladen hat. Beide kennen sich seit langem: Als Schröder noch Kanzler war, arbeitete der damalige Politikstudent Klingbeil in dessen Wahlkreisbüro in Hannover. Es ist Schröders erster Auftritt in diesem Wahlkampf. Noch im Juni sah es so aus, als habe die SPD den Altkanzler in ihre Mitte zurückgeholt, Schröder redete auf dem Parteitag. Vergessen schienen alte Differenzen über seine Agenda 2010, und vergessen schien auch, dass Schröder gleich nach dem Ende seiner Kanzlerschaft bei Nord Stream angeheuert hatte und 2016 einen weiteren Posten bei Nord Stream 2 übernahm.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz hatte den Altkanzler kritisiert

Die Nachricht, Schröder würde nun in den Rosneft-Aufsichtsrat einziehen, platzte mitten in die heiße Wahlkampfphase. Die SPD bemühte sich zunächst, die Pläne des Altkanzlers als dessen Privatsache darzustellen. Zugleich ging Schulz vorsichtig auf Distanz und betonte, er würde so etwas nicht tun. Das habe er Schröder auch gesagt und hinzugefügt, „dass man nicht jedes Angebot annehmen muss“. Ein Altkanzler sei „immer nur bedingt ein Privatmann“. Doch die Einwände des Parteichefs hielten Schröder offensichtlich nicht davon ab, in Moskau zuzusagen.

„Ich stehe dazu, weil ich aus ökonomischen und politischen Gründen glaube, dass es nicht vernünftig ist, unseren großen Nachbarn Russland zu isolieren“, sagt er. Eine Einbindung Russlands in die Weltwirtschaft könne allen helfen. „Die Dämonisierung Russlands hilft keinem.“ Und in dem für Schröder typisch selbstbewusst-flapsigen Ton setzt er mit Blick auf den Aufsichtsratsposten hinzu: „Ich werde das tun.“

Immer wieder arbeitet sich Schröder an diesem Abend an den Medien ab. Vielleicht ist ihm die Kritik der vergangenen Wochen doch näher gegangen, als er zugibt. „Es geht um mein Leben. Und darüber bestimme ich, und nicht die deutsche Presse“, ruft Schröder in den Saal.

In Rotenburg erinnert er auch an sein Nein zum Irak-Krieg und betont, Angela Merkel habe 2003 „an der Seite der Amerikaner im Irak kämpfen“ wollen. „Ich habe damals gesagt: Die deutsche Außenpolitik wird in Berlin und nicht in Washington gemacht.“ Eine solche Haltung gegenüber den USA wünscht er sich heute wieder. Schröder kritisiert auch den US-Präsidenten Donald Trump und seine gefährliche „Außenpolitik über Twitter“, nicht ohne ihm den russischen Präsidenten als positives Beispiel gegenüberzustellen: „Verglichen mit Herrn Trump ist Wladimir Putin ein hoch rationaler Mann.“ Auf die Frage aus dem Publikum, ob er Putin noch für einen „lupenreinen Demokraten“ halte, will er lieber nicht antworten.

An diesem Donnerstag tritt Schröder mit der früheren SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi in Hannover auf. Eine gemeinsame Wahlkampfveranstaltung von Schröder und Schulz ist nicht geplant.

 

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