Jungsozialisten : Auf Oskars Spuren

Es gehört zur Tradition der Jungsozialisten, dass ihnen die SPD nie links genug ist. Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel hat eine von ihr herausgegebene Sammlung von Aufsätzen zur Frage "Was ist heute links?" vorgestellt.

Stephan Haselberger
Drohsel Foto: pa/dpa
Franziska Drohsel -Foto: pa/dpa

Berlin – An schriftlichen Versuchen der Selbstvergewisserung hat es die SPD in den letzten Monaten nicht mangeln lassen. SPD-Chef Franz Müntefering legte in dem Gesprächsband „Macht Politik!“ dar, wie er sich eine zukunftsfähige SPD vorstellt: kämpferisch, weniger auf sich selbst fixiert, vor allem aber ohne den permanenten Drang, direkt auf sozialdemokratisches Regierungshandeln Einfluss zu nehmen. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel wartete mit einem Buch auf. „Links neu denken – Politik für die Mehrheit“, lautete der Titel seiner breiten Analyse, in welcher er unter anderem an die SPD appellierte, den Tanz um die politische Mitte zu beenden.

Am Donnerstag nun präsentierte die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel eine von ihr herausgegebene Sammlung von Aufsätzen. Darin gehen Autoren wie DGB-Chef Michael Sommer, die SPD-Altlinke Heidemarie Wieczorek-Zeul, die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles, aber auch Parteichef Müntefering der Frage nach: „Was ist heute links?“

Drohsel, die zum Buch das Vorwort beigesteuert hat, beantwortete diese Frage am Donnerstag auf ihre Weise. Grundsätzlich bedeutet links für die 28-Jährige, all jene „Strukturen“ zu bekämpfen, die den Menschen daran hindern, gleich und frei zu sein. Zu diesen Hindernissen zählen unter anderen: das Patriarchat, der Rassismus und der Kapitalismus. Letzteren will Drohsel einer „grundsätzlichen Kritik“ unterziehen. Die Zeit dafür erscheint der Juso-Vorsitzenden angesichts der Finanzkrise „sehr günstig“; sie glaubt an ein gestiegenes Interesse an der Frage, „wie man die Gesellschaft alternativ organisieren kann“. Die Jusos jedenfalls seien nicht der Meinung, dass sich die Krise allein auf ein paar wahnsinnige Börsenspekulanten zurückführen lasse.

Es gehört zur Tradition der Jungsozialisten, dass ihnen die SPD nie links genug ist. „Linker Stachel“ wolle man sein, sagte Drohsel, als leide die Sozialdemokratie noch nicht in ausreichender Weise unter den Stichen von Oskar Lafontaines Linkspartei. Die Juso-Chefin klang bei ihrer Pressekonferenz streckenweise übrigens ganz wie der vormalige SPD-Chef und heutige Linkspartei-Vorsitzende. So verlangte sie in lafontainscher Manier eine stärkere Kontrolle des Finanzsektors bis hin zu einer kompletten Verstaatlichung der Banken. Außerdem forderte Drohsel die SPD dazu auf, mit einem linksakzentuierten Wahlprogramm in den Bundestagswahlkampf zu ziehen und für höhere Spitzensteuersätze sowie den Verzicht auf die Bahnprivatisierung einzutreten.

Am Wochenende wollen die Jusos ihre Selbstvergewisserungsdebatte fortführen. Zur Eröffnung des Kongresses „Linkswende 09“ in der Humboldt-Uni wird auch Gesine Schwan erwartet, die SPD-Präsidentschaftskandidatin. SPD-Chef Franz Müntefering und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kommen nicht. Ob die Jusos beide eingeladen und sich von dem SPD-Spitzenduo womöglich eine Absage eingefangen hatten – dazu wollte Franziska Drohsel nichts sagen.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben