Politik : Kampf gegen Terror: Droht dem US-Taliban die Todesstrafe?

Friedemann Diederichs

Aus einem dürren Vollbart-Gesicht starren zwei dunkle Augen, und die sind für US-Nachrichtenmagazine wie "Newsweek" mittlerweile sogar titelseitenwürdig. Schließlich rätselt eine ganze Nation seit zwei Wochen, wie aus einem wohlgenährten, gut behüteten Jungen, der mit 16 Jahren noch ein normales kalifornisches Schulkind war, nur vier Jahre später ein fanatischer Taliban-Kämpfer werden konnte, der nach eigenen Angaben sogar über Terrorpläne der Al-Qaida-Führung Bescheid wusste. Doch seit der abgemagerte Söldner der Nordallianz in die Hände fiel und US-Truppen übergeben wurde, stellt sich für Amerika noch eine zweite Frage: Was tun mit John Walker alias Suleyman al Faris alias Abdul Hamid - oder wie immer sich der junge Mann mit dem schwarzen Turban von seinen Mitstreitern in den Schützengräben von Masar-i-Scharif rufen ließ?

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New Yorks abgetretener Bürgermeister Rudolph Giuliani plädiert für die Todesstrafe. "Wir sind im Krieg, und er ist ein Landesverräter," sagt der früher als "harter Hund" bekannte Staatsanwalt, der in New York dem Prinzip "law and order" wieder zu Geltung verhalf. Während John Walkers Vater, von Beruf Rechtsanwalt, in dem Jungen lediglich einen "fehlgeleiteten Idealisten" sieht, lechzt eine nicht unbeträchtliche Zahl von Politikern mittlerweile wie Giuliani danach, ein Exempel zu statuieren. Zwar wird sich Walker nicht vor einem geheim tagenden Militärtribunal wiederfinden, weil dieses nach einer Anordnung von Präsident George W. Bush nur für Nicht-Staatsbürger zuständig sein soll. Doch auch vor einem Bundesgericht droht ihm, falls des Hochverrates überführt, die Exekution.

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