Lehren aus der Saarland-Wahl : Letzter Ausweg Große Koalition

Was lernen wir aus der Wahl an der Saar? Je tiefer die FDP in diesem Frühjahr fällt, desto lauter wird auch in Berlin der Ruf nach einer Großen Koalition ertönen. Am Ende bleibt der SPD nur die Rolle des Juniorpartners.

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Blick auf den Reichstag in Berlin: Regiert im Bund demnächst wieder eine Große Koalition?
Blick auf den Reichstag in Berlin: Regiert im Bund demnächst wieder eine Große Koalition?Foto: dapd

Das Saarland hat gewählt und es ist das herausgekommen, was absehbar war. In den kommenden fünf Jahren wird das kleine Land im Südwesten der Republik von einer Großen Koalition regiert. Die CDU stellt die Ministerpräsidentin und die SPD wird ihr Juniorpartner. Das ungeplante Wahlfrühjahr mit drei vorgezogenen Landtagswahlen beginnt unspektakulär. Der große Paukenschlag könnte in sieben Wochen in Nordrhein-Westfalen folgen, wenn die Wähler nicht nur eine Landesregierung wählen, sondern zugleich über das Schicksal der FDP und der schwarz-gelben Bundesregierung entscheiden.

Nach dem gestrigen Wahlsonntag versuchen die Parteien, schnell zur Tagesordnung überzugehen. Schließlich ist das kleine Saarland weit weg von Berlin und der Wahlausgang wurde stark von landespolitischen Besonderheiten geprägt. Trotzdem gibt es vor allem zwei bundespolitische Lehren, die sich aus der Wahl an der Saar ziehen lassen: Alle Spekulationen über eine Große Koalition nutzen der Union und die blockierte linke Mehrheit ist für Kanzlerin Merkel ein Machtgarant. Im neuen deutschen Vielparteiensystem gehört die SPD zu den strategischen Verlierern.

Jubel und Trauer nach der Landtagswahl im Saarland
Die Grünen schaffen nur mit Ach und Krach den Einzug in den saarländischen Landtag...Weitere Bilder anzeigen
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26.03.2012 08:07Die Grünen schaffen nur mit Ach und Krach den Einzug in den saarländischen Landtag...

Die Christdemokraten reiben sich die Hände: Sie können in Saarbrücken regieren, obwohl ihr natürlicher Koalitionspartner FDP vom Wähler atomisiert wurde. Die SPD hingegen sitzt machtstrategisch in der Falle. Fast fühlt man sich an die hessischen Verhältnisse erinnert, die 2008 der Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti zum rot-rot-grünen Verhängnis wurden.

Schon der Wahlkampf an der Saar bot ein Novum. Erstmals in der bundesdeutschen Parteiengeschichte haben die beiden großen Parteien CDU und SPD vor einer Landtagswahl offen und ohne Alternative für eine Große Koalition geworben. Die Wähler sollten am Sonntag nur noch darüber entscheiden, welche Partei den Ministerpräsidenten stellt. Und der Wähler hat eindeutig entschieden.

Die Anhänger der Union ließen sich von der Perspektive Große Koalition nicht schrecken. Kein Wunder, schließlich wollten sie, dass ihre Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer weiterhin regiert. Deren strategisches Kalkül ist nach dem Scheitern der Jamaika-Koalition aufgegangen.

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