• Linke-Politiker und Ex-SPD-Vorsitzender: Absturz der SPD tut Oskar Lafontaine "in der Seele weh"

Linke-Politiker und Ex-SPD-Vorsitzender : Absturz der SPD tut Oskar Lafontaine "in der Seele weh"

Der frühere SPD-Chef Lafontaine gibt den Sozialdemokraten eine Mitschuld für "millionenfache Altersarmut". Die SPD müsse sich für Fehler entschuldigen, um wieder glaubwürdig zu werden.

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Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine wirft seiner alten Partei schwere Fehlentscheidungen vor.
Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine wirft seiner alten Partei schwere Fehlentscheidungen vor.Foto: Thomas Wieck/dapd

Der Linke-Politiker und frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine leidet mit seiner alten Partei unter deren Absacken in der Wählergunst. "Das tut mir in der Seele weh, denn das ist ja ein Teil der Geschichte meines Lebens", sagte Lafontaine in einem Interview mit dem ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstagabend.

Doch dies sei unwichtig im Verhältnis dazu, dass durch die Politik der SPD "Millionen Menschen leiden müssen", sagte Lafontaine weiter. "Heute haben wir millionenfache Altersarmut, und die SPD ist mit schuld." Die SPD hätte von ihrer Tradition her Widerstand gegen die "Kürzungsorgien" bei Rente, Lohn und Sozialleitungen leisten müssen, sagte Lafontaine.

Die SPD müsse sich klar machen, was der Begriff Volkspartei bedeute. Eine Volkspartei sollte darauf achten, "was die Mehrheit der Bevölkerung will", sagte Lafontaine. "Und das tut die SPD seit Jahren nicht." Eine Politik wie die Agenda 2010 mit ihren Folgen sei gegen die Mehrheit der Bevölkerung.

Die Frage nach der Zukunft der SPD sei schwer zu beantworten. "Ich hoffe, dass die SPD sich auf ihre Traditionen besinnt", sagte Lafontaine, der die Partei 2005 verlassen hatte. Die Demokratie brauche eine starke linke Partei.

"Die SPD ist hier besonders in der Verantwortung", sagte Lafontaine. "Denn aus den 20 Prozent wären sehr schnell wieder 30 Prozent zu machen, wenn diese Partei sich wieder klar und erkennbar als Interessenvertretung der Mehrheit der Bevölkerung versteht."

"Aber das genügt nicht, das in Worte zu fassen, man muss glaubwürdig sein", so Lafontaine weiter. Und Glaubwürdigkeit könne damit beginnen, dass die SPD sich für alle "Fehlentscheidungen, die in den letzten Jahren getroffen wurden", entschuldigt. "Ich warte auf den ersten SPD-Politiker, der sagt, wir haben schwere Fehlentscheidungen getroffen, (...) wir entschuldigen uns dafür und (...) , falls ihr uns noch einmal die Stimme gebt, geben wir Gewähr dafür, dass wir die Rente deutlich verbessern." (Tsp)

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