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Mindestlohn : Andrea Nahles rechnet mit Preissteigerung

Andrea Nahles rechnet damit, dass die Verbraucherpreise durch den Mindestlohn steigen werden. Außerdem will die Arbeitsministerin Frauen vor "Teilzeitfalle" schützen.

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Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles.
Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles.Foto: dpa

Arbeitsministerin Andrea Nahles hat zugegeben, dass die Verbraucherpreise durch den Mindestlohn steigen werden. Die Gewinnmarge manches Unternehmens werde sinken, „und ja, im Einzelfall gibt es sicher auch ein Plus bei den Preisen“, sagte die SPD-Politikerin dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Allerdings seien die Mindestlohnempfänger auch Konsumenten. Dank ihres höheren Einkommens könnten sie künftig mehr Dienstleistungen und Produkte kaufen. „Alles in allem wird der volkswirtschaftliche Effekt positiv sein“, sagte Nahles. Zudem stiegen die Einnahmen der sozialen Sicherungssysteme, was diese stabiler mache.

Nach dem Beschluss des Bundestages versicherte Nahles, „den Umgang mit dem Mindestlohn in Deutschland genau im Auge behalten“ zu wollen. Um Verstößen auf die Spur zu kommen, werde beim Zoll eine „Hotline“ eingerichtet, kündigte die Ministerin an. „Da können Arbeitnehmer anrufen, aber auch Arbeitgeber, wenn sie mitbekommen, dass der Konkurrent Lohndumping betreibt“, sagte sie.

Nahles zeigte sich zuversichtlich, dass die SPD dank ihrer Reformen aus den niedrigen Umfragewerten herauskommt. „Gerade der Mindestlohn wird uns viel verlorenes Vertrauen zurückbringen“, sagte sie. „Es gibt ihn nur, weil die SPD in der Regierung ist.“ Der jüngsten Infratest-Umfrage zufolge verharrt die SPD unverändert bei 26 Prozent, während die Union auf 39 Prozent zulegen konnte.

Außerdem hat Nahles versprochen, Frauen künftig besser „vor der Teilzeitfalle zu schützen“. In Deutschland hätten viele Arbeitnehmerinnen vom Rechtsanspruch auf Teilzeit Gebrauch gemacht, sagte die SPD-Politikerin dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. „Wenn sie nach einigen Jahren ihre Karriere fortsetzen wollen, stellen sie fest, dass sie vor eine Wand laufen. Das müssen wir aufbrechen.“

Gleichzeitig kündigte die Ministerin an, im kommenden Jahr einen Aktionsplan gegen Stress am Arbeitsplatz vorzulegen. Viele Arbeitnehmer fühlten sich überfordert und könnten „abends oder am Wochenende nicht mehr abschalten, weil durch mobile Geräte die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben schwerfällt“, sagte Nahles. Sie habe dazu eine „umfassende Studie“ in Auftrag gegeben, die 2015 ausgewertet werde.

Das gesamte Sonntagsinterview mit Arbeitsministerin Nahles lesen Sie im morgigen gedruckten Tagespiegel.

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