Politik : Nach Brüssel weggelobt

Für Peter Mandelson, den Vertrauten des britischen Premiers, war in der Downing Street kein Platz – jetzt wird er EU-Kommissar

Hendrik Bebber[London]

Der „Fürst der Finsternis“ hat ein neues Reich. Tony Blair entsendet seinen engsten Vertrauten Peter Mandelson als EU-Kommissar nach Brüssel. Die britische Regierung würde ihn dort gerne als neuen Kommissar für den europäischen Binnenmarkt sehen.

Mandelson bekam seinen Spitznamen von seinen vielen Kritikern in der Opposition und im linken Labour-Flügel, die ihn als Drahtzieher hinter Blairs Parteireformen sahen. Tatsächlich befreite Mandelson mit einer cleveren PR-Kampagne die Partei vom proletarischen Image. Nachdem er 1997 Labours glänzenden Wahlsieg organisiert hatte, wurde er Minister ohne genauer bezeichneten Geschäftsbereich; als „Spin-Doktor“ war er für die Präsentation der Regierungspolitik verantwortlich. Danach übernahm er das Superministerium für Wirtschaft und Handel. Seine Karriere endete abrupt, weil er ein hohes Darlehen für einen Hauskauf nicht deklariert hatte. Blair holte ihn 1999 jedoch wieder als Nordirlandminister in die Regierung. Doch der Premier musste seinen alten Freund erneut fallen lassen, als Mandelson eine neuerliche Affäre zum Verhängnis wurde. Ihm wurde vorgeworfen, dass er indischen Milliardären für eine Parteispende zum britischen Pass verhelfen wollte.

Mandelson stand weiter die Tür zur Downing Street Nr. 10 offen. Blair konnte sich besonders in der Irak-Krise auf „Mandys“ Rat und Zuspruch verlassen. In den letzten Tagen wurde heftig spekuliert, dass Mandelson bei der anstehenden Kabinettsumbildung wieder einen Posten bekommen sollte. Doch dies sei auf den heftigen Widerstand einiger Minister gestoßen. Zum Ausgleich hätte ihm Blair den Job in Brüssel angeboten, zudem Mandelson zu den glühendsten Europäern in der britischen Politik zählt.

Seine Berufung freilich verstärkt noch das Misstrauen der britischen Europagegner. Mit Mandelson als „Mann in Brüssel“ könnte es für Blair noch schwieriger werden, die angekündigte Volksabstimmung zur europäischen Verfassung zu gewinnen – von der Einführung des Euro in Großbritannien gar nicht zu reden.

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