Nach der Hessen-Wahl : Die hinter Ypsilanti

Verwunderung hat der Wahlabend in Hessen ausgelöst. Nicht nur wegen des knappen Wahlergebnisses, sondern auch, weil Andrea Ypsilanti, die gefühlte Wahlsiegerin, scheinbar einen Einflüsterer an ihrer Seite hatte.

Christian Tretbar

Berlin - Klaus-Dieter Stork, seit Anfang der 90er Jahre Andrea Ypsilantis Lebenspartner, konnte traumwandlerisch einige Sätze ihrer Rede am Wahlabend synchron mitsprechen. Schnell machte die Frage nach den starken Männern an ihrer Seite die Runde. Sie brauche keine Hilfe für ihre Reden, sagte Gert-Uwe Mende, Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Und für Ypsilanti selbst ist das nur ein Beweis dafür, „wie gut wir uns verstehen“, sagte sie im ZDF.

Tatsächlich ist Ypsilantis Beraterkreis breiter gefächert. Es sind in der Regel keine professionellen Politikberater, vielmehr sind es politische und persönlich Vertraute – und nicht nur Männer. Sie baut auch auf ein loses Frauennetzwerk, dass sich aus ihren verschiedenen Lebensstationen zusammensetzt. Darunter sind ihre Schwester Dagmar Hoffmann und Studienfreundinnen, mit denen sie schon an der Universität regelmäßig über das Thema „Frauen und Macht“ diskutiert hat. Aber auch Frauen wie Astrid Eibelshäuser, die sie aus gemeinsamen Juso-Zeiten kennt. „Natürlich tauscht sie sich mit ihrem Lebensgefährten aus, und er ist auch kein unwichtiger Berater, aber Andrea Ypsilanti ist keine Frau, die einen Einflüsterer braucht“, sagt die heutige Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Gießen-Süd.

Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für Entwicklung und Zusammenarbeit aus Wiesbaden sowie Andrea Nahles, stellvertretende Parteivorsitzende, sind ebenfalls Teil dieses Kreises. Doch es sind nicht nur Politikerinnen in diesem Zirkel, auch Nachbarn und Freundinnen. „Auch da tankt sie Kraft“, heißt es in ihrem Umfeld.

Was alle miteinander verbindet, ist ihre Zugehörigkeit zum linken Flügel der SPD. Und aus dem kommen auch ihre engsten politischen Weggefährten und Berater im täglichen Geschäft: Gernot Grumbach, Norbert Schmitt und Hermann Scheer. Grumbach, 55 Jahre alt, seit den 70er Jahren in der hessischen SPD aktiv, ist seit 2001 Vorsitzender der SPD Hessen-Süd und stellvertretender Landesvorsitzender. Außerdem sitzt er seit 2003 im hessischen Landtag und ist im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden der Frankfurter SPD, dem Unterbezirk Ypsilantis, gewählt worden. Seit mehr als 20 Jahren kennt er sie. „Sie ist eine überlegte, durchsetzungsfähige und integrative Frau“, beschreibt Grumbach seine Landesvorsitzende. Der 52jährige Norbert Schmitt ist seit 1995 Landtagsabgeordneter und seit 2003 als Generalsekretär der hessischen SPD fest an ihrer Seite. Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg und im Schattenkabinett von Ypsilanti, gehört anders als Grumbach und Schmitt erst seit kurzer Zeit zu ihrem engsten Kreis.

Diese drei könnte man aber als kleines strategisches Zentrum Ypsilantis bezeichnen. Doch es wird flankiert von weiteren Personen. Frank Steibli beispielsweise, dem Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion. „In der Regel waren wir etwa acht bis neun Leute“, sagt Grumbach.

Am Wahlabend war die Runde natürlich größer. Stork war ebenfalls dabei und alle zusammen suchten nach den richtigen Worten – Alltag im politischen Geschäft. Zu viel passiert in Wahlkämpfen, als dass Ypsilanti immer erst ihren Lebensgefährten zu Rate ziehen könnte. Am Ende vertraut sie, wie die meisten Politiker, wohl vor allem sich selbst.

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