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Nach Israel-Kritik von Grass : Israels Ex-Botschafter kritisiert Einreiseverbot

Seit Tagen steht Günter Grass in der Kritik wegen seines Israel-Gedichtes - so sehr, dass er von Israel sogar ein Einreiseverbot erteilt bekam. Das empfindet der israelische Ex-Botschafter Avi Primor als äußerst problematisch.

Tagelang schwieg Grass zum gegen ihn verhängten Einreiseverbot, dann meldet er sich zu Wort und legt gleich neues Feuer nach. Er spricht von DDR-Methoden, Zwangsmaßnahmen und vergleicht die israelische Regierung mit der Stasi. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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11.04.2012 19:53Tagelang schwieg Grass zum gegen ihn verhängten Einreiseverbot, dann meldet er sich zu Wort und legt gleich neues Feuer nach. Er...

Nachdem die israelische Regierung Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein Einreiseverbot ausgesprochen hat, wird Kritik daran auch aus Israel laut. Der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, nannte diese vom Innenminiser Eli Jischai verhängte Maßnahme in einem Interview mit den "Tagesthemen" übertrieben und populistisch.

"Ich glaube, dass der Innenminister gar nichts von Deutschland versteht. Er betreibt Innenpolitik. Ich halte das für falsch. Ich halte Günter Grass nicht für einen Antisemiten. Ich weiß, wovon ich spreche", sagte der Diplomat. Primor äußerte aber auch Kritik an Grass' israelkritischem Gedicht. Dessen Behauptung, Israel wolle den Iran auslöschen, sei lächerlich. Der Iran sei schließlich fast hundertmal größer als Israel.

Auch seien die Sorgen der israelischen Regierung berechtigt, dass der Iran Atomwaffen bauen könnte. Schließlich habe nicht nur Präsident Mahmud Ahmadinedschad, sondern auch Ayatollah Ali Chamenei von der Auslöschung Israels gesprochen. Und der Iran unterstütze terroristische Gruppierungen gegen Israel. Es bestehe eine echte Gefahr darin, dass der Iran diese Gruppen mit Atomwaffen ausrüste.

Auch in Deutschland wurde das Verbot kritisiert. „Ein Einreiseverbot für Grass halte ich für überzogen und falsch“, sagte der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck am Sonntag zu „Handelsblatt Online“. Beck warf den israelischen Behörden Intoleranz im Umgang mit Kritik vor: „Es passt zu der Linie der aktuellen israelischen Regierung und wie sie mit Kritik und Streit auch im eigenen Lande umgeht.“ Dies sei „unsouverän und demokratisch nicht klug“. Volker Beck forderte die israelische Regierung auf, den Schritt noch einmal zu überdenken.

Zugleich betonte Beck, dass er die Verärgerung in Israel gut verstehen könne. Grass habe sich in seinem umstrittenen Gedicht „ignorant gegenüber der tatsächlichen Bedrohung Israels durch den Iran“ gezeigt. Zudem habe sich Grass als „vermeintlicher Tabubrecher eines Israelkritik-Verbotes geriert und sich damit eines antisemitischen Propagandainstruments bedient“. Dies rechtfertige „harsche Kritik“.

Unterstützung erfährt Grass allerdings von anderer Seite: Verbreitet gab es im Rahmen der deutschen Ostermärsche in verschiedenen deutschen Städten Zustimmung für den Literaturnobelpreisträger. Auf den Kundgebungen habe es viel Zustimmung zur Haltung von Grass gegeben, wonach es kein Recht auf präventive Militärangriffe gebe, teilten die Organisatoren mit.

Ostermärsche 2012
Die Friedensbewegung hat ihre traditionellen Ostermärsche am Sonntag mit zahlreichen Aktionen fortgesetzt, wie hier in Düsseldorf. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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08.04.2012 16:01Die Friedensbewegung hat ihre traditionellen Ostermärsche am Sonntag mit zahlreichen Aktionen fortgesetzt, wie hier in Düsseldorf.

Das „Netzwerk Friedenskooperative“ bezeichnete das von der israelischen Regierung ausgesprochene Einreiseverbot für Grass in Folge seines umstrittenenen Gedichts zur israelischen Atompolitik als „unsouveräne Reaktion“. Damit würde auch jede Möglichkeit ausgeschlossen, dass der 84-Jährige sich Streitgesprächen in Israel stellen könnte. Der viel diskutierte Vorstoß von Grass biete „die Möglichkeit für einen Ideenwettbewerb um eine friedliche Lösung des Atomkonflikts Israels und des Westens mit dem Iran“, hieß es weiter. Das hatte der Ostermarsch-Mitbegründer Andreas Buro für die Dachorganisation „Kooperation für den Frieden“ in einer Antwort auf Grass ebenfalls in Gedichtsform postuliert.

Israel hatte zuvor den Literaturnobelpreisträger mit einem Einreiseverbot belegt. „Ich sehe es als Ehre an, ihm die Einreise ins Heilige Land zu verbieten“, sagte der israelische Innenminister Eli Jischai am Sonntag. Aus israelischer Sicht hat der Literaturnobelpreisträger mit seinem israelkritischen Gedicht eindeutig eine rote Linie überschritten. Der Innenminister von der strengreligiösen Schas-Partei will in der heftigen Debatte um Grass auch keine Grautöne gelten lassen - der Intellektuelle ist für ihn mit seinen Äußerungen vollständig in die Kategorie „Nazi“ gerutscht.

Leben und Werk von Günter Grass
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Jischai sagte im israelischen Rundfunk auch, man müsse dem 84-Jährigen nun eigentlich den Literaturnobelpreis aberkennen. Der von orientalischen Juden abstammende Politiker verglich Grass' Äußerungen mit der antisemitischen Hetze, die letztlich zum Holocaust geführt habe. „Man kann angesichts solcher Worte einfach nicht schweigen“, sagte er. Mit deutlicher Abscheu sprach Jischai von Grass als einem „antisemitischen Menschen“ und „einem Mann, der eine SS-Uniform getragen hat“.

Das am Mittwoch veröffentlichte Gedicht „Was gesagt werden muss“ des 84-Jährigen sei „ein Versuch, die Flammen des Hasses gegen den Staat Israel und das israelische Volk anzufachen“, rechtfertigte er den Schritt . Die israelische Regierung hat nun eine Einreiseverbot gegen Grass verhängt. Die israelische Regierung erklärte Günter Grass am Sonntag zur "Persona non grata".

Grass versuche “Hass gegen den Staat Israel und das israelische Volk zu schüren und somit Ideen zu verbreiten, denen er sichtbar verbunden war durch das Tragen der SS-Uniform“, hieß es in einer Erklärung von Innenminister Eli Jischi zur Begründung. Die Regierung griff dabei auf ein Gesetz zurück, dass es ihr erlaubt, ehemaligen Nazis die Einreise ins Land zu verweigern. Grass hatte eingestanden, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges in der Waffen-SS gedient zu haben.

Viele Israelis finden es besonders perfide, dass Grass sein Gedicht ausgerechnet vor dem jüdischen Pessach-Fest veröffentlichte und glauben nicht an einen Zufall. Damit stellt er sich aus ihrer Sicht in eine Reihe mit antisemitischen Christen, die Juden in Europa über Jahrhunderte mit Ritualmordlegenden quälten. Damals gab es immer wieder Anschuldigungen, Juden würden das Blut christlicher Kinder für das Backen des traditionellen Matza-Brots am Pessach-Fest verwenden.

Als ähnlich absurd wird die Warnung von Grass gesehen, Israel gefährde den Weltfrieden. Israel fühlt sich von Teheran und seinem Atomprogramm existenziell bedroht - die Darstellung des Literaten wird daher als blanker Hohn und Verdrehung der Tatsachen empfunden.

Außenminister Avigdor Lieberman sagte am Sonntag bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti über Grass: „Seine Äußerungen sind ein Ausdruck des Zynismus eines Teils der westlichen Intellektuellen, die als Eigenwerbung und im Willen, noch ein paar Bücher zu verkaufen dazu bereit sind, die Juden ein zweites Mal auf dem Altar verrückter Antisemiten zu opfern.“

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