Nachruf auf Ottmar Schreiner : Gerhard Schröders schärfster Kritiker

Ottmar Schreiners Tod löste am Wochenende in allen Parteien Betroffenheit aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Schreiner als „engagierten und großen Kämpfer für Arbeitnehmerrechte“.

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SPD-Politiker Ottmar Schreiner. Foto: dpa Foto: dpa
SPD-Politiker Ottmar Schreiner. Foto: dpaFoto: dpa

Er war einer der schärfsten Gegner von Gerhard Schröders Agenda 2010 und der Rente mit 67 – und doch blieb er der SPD bis zum Ende treu: Ottmar Schreiner ist am Samstag im Alter von 67 Jahren gestorben. Der Bundestagsabgeordnete aus dem Saarland erlag einem Krebsleiden. Schreiner hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Als kämpferischer und zuletzt kompromissloser Sozialpolitiker verschaffte sich Schreiner über Parteigrenzen hinweg Anerkennung. „Ich habe diesen Gerechtigkeitsimpuls mit der Muttermilch mitbekommen damals in meinem Elternhaus“, sagte Schreiner über sich selbst. Als Kind führte er mit seiner Familie „ein Leben an der Armutsgrenze“, wie er einmal erzählte. „Die Mutter musste den Groschen dreimal umdrehen.“ Als erstes Kind aus der Familie machte er Abitur, später studierte er Jura.

Der Katholik trat 1969 in die SPD ein und engagierte sich zunächst bei den Jusos. Zwölf Jahre lang war Schreiner Vorsitzender der früher einflussreichen SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Deren Leitung gab er 2012 wegen seiner Krebserkrankung ab. Seinen letzten politischen Kampf gegen die SPD-Spitze führte er auf dem Bundesparteitag im Dezember 2011, als er vergeblich versuchte, die Rentenpolitik der Sozialdemokraten wieder zu ändern.

Auch wenn Schreiner, der früher in der Partei als Pragmatiker galt, mit seinen Positionen in der SPD seit den Agenda-Reformen isoliert war, gab er dem Werben der Linkspartei nie nach. „Ich bin ausgebildeter Fallschirmoffizier, die schmeißen nicht hin“, sagte er einmal. Mit Oskar Lafontaine blieb er befreundet, auch nachdem dieser mit der Sozialdemokratie gebrochen hatte. Die beiden Saarländer waren in den 90er Jahren enge Weggefährten. Unter dem damaligen Parteichef Lafontaine wurde Schreiner 1998 Bundesgeschäftsführer. Im Jahr 1980 wurde er erstmals in den Bundestag gewählt und gehörte ihm ohne Pause 32 Jahre lang an. Zehn Jahre lang war er Mitglied im SPD-Bundesvorstand.

Schreiners Tod löste in allen Parteien Betroffenheit aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Schreiner als „engagierten und großen Kämpfer für Arbeitnehmerrechte“. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nannte ihn einen aufrechten Sozialdemokraten, der „mit Geduld, Zähigkeit, messerscharfem Verstand, großem Herz und vor allem mit nie nachlassender Leidenschaft für Gerechtigkeit und sozialdemokratische Werte gestritten hat“. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erklärte, mit Schreiner verliere der Bundestag eines seiner dienstältesten Mitglieder, dessen parlamentarische Arbeit „weit über die eigene Partei und Fraktion hinaus hohe Anerkennung fand“.

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