Politbarometer : Merkel und Union gut drauf

Das Politbarometer weist gute Werte für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Union aus. Auch die Regierungsarbeit der SPD wird honoriert.

Albert Funk
Angela Merkel
Hat gut lachen: Bundeskanzlerin Angela Merkel. -Foto: dpa

Berlin - Die Kanzlerin und ihre Partei können einigermaßen gelassen in die zweite Halbzeit der großen Koalition gehen: Das Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel weist ein solides Hoch für Angela Merkel und die Union aus. Die SPD dagegen ist nach der Juli-Umfrage wieder von einem Tiefausläufer erwischt worden: Die Partei rutscht noch einmal nach unten, auch wenn ihr Spitzenquartett – Kurt Beck, Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering – von der allgemein eher positiven Stimmung profitiert und ein wenig besser dasteht als im Vormonat. Gemessen am Popularitätssprung Merkels schafften die vier SPD-Männer mit jeweils einem Plus von 0,2 Punkten freilich nur Hüpfer – die Kanzlerin führt das Feld nach einem Zuwachs von 0,6 Punkten jetzt mit einem Wert von 2,4 (auf der Skala von plus bis minus 5) an. 85 Prozent der Befragten attestieren ihr eine gute Arbeit, selbst bei Linksparteianhängern kommt sie auf 71 Prozent. So gut ist Merkel seit ihrem Amtsantritt noch nie beurteilt worden.

Was der Union freilich noch besser gefallen dürfte als der übliche Kanzlerbonus ist der Zuwachs bei der Sonntagsfrage: CDU und CSU haben erstmals seit einem Jahr wieder die 40-Prozent-Marke erreicht, dank eines starken Stimmungsschubs zu ihren Gunsten im Juli. Da die FDP weiter bei neun Prozent liegt, wäre eine schwarz-gelbe Koalition möglich, würde bereits an diesem Sonntag gewählt. Der Wert der SPD dürfte dagegen den Sozialdemokraten die Urlaubslaune verderben: Abermals rutschte die Partei ab und liegt nun auch bei der Forschungsgruppe Wahlen unter der 30er-Marke (genau gesagt: bei 29 Prozent). In den Juli-Umfragen der anderen Institute dümpelt sie zwischen 24 und 28 Prozent. Die Linke kommt derzeit auf zehn Prozent, die Grünen bleiben bei acht Prozent. Das heißt, dass die von führenden Sozialdemokraten gelegentlich ins Gespräch gebrachte Ampelkoalition mit FDP und Grünen (auch nach allen anderen Umfragen) derzeit keine Mehrheit hätte. Auch Rot-Rot-Grün wäre laut Politbarometer nicht machbar. Da ein Großteil der SPD eine Koalition mit der Linken auf Bundesebene ohnehin ablehnt, deuten die Zahlen derzeit also eher auf eine Oppositionsrolle der Sozialdemokraten nach 2009.

Dabei wird ihre Politik in der großen Koalition – wie die Regierung überhaupt – gar nicht schlecht bewertet. Schwarz- Rot steht zur Halbzeit bemerkenswert gut da: Noch nie waren 69 Prozent der Befragten der Ansicht, die große Koalition leiste gute Arbeit. Noch im Juni waren es nur 61 Prozent. Dazu dürfte die passable Konjunktur mit dem Abflauen der Arbeitslosigkeit beitragen. Zwar ist der Jobmangel weiter Topthema für die Bürger, aber der Wert ist mit 56 Prozent der niedrigste seit Ende 2001. Der Anteil der Nörgler an der Koalitionsarbeit ging von 32 auf 25 Prozent zurück. Insgesamt bekommt die Koalition die Note 0,7 (da liegt auch die Union), die SPD schneidet mit 0,6 für ihre Koalitionsarbeit fast genauso gut ab.

Liegt also alles an den Personen? Offenkundig ist, dass sich ein Großteil der Bürger mit einem Kanzlerkandidaten Beck noch nicht so recht anfreunden kann. Er schneidet im SPD-Quartett mit 0,6 am schlechtesten ab, Steinmeier kommt auf 1,9. Auch unter SPD-Anhängern kommt der Pfälzer nur auf Rang vier. Und nur ein Drittel aller Bürger meint, Beck solle antreten, unter SPD-Anhängern meint das auch nur jeder zweite. Andererseits traut man Steinmeier, Steinbrück, Müntefering und Umweltminister Sigmar Gabriel die Kandidatur noch weniger zu.

Gar nicht in den positiven Trend der großen Koalition passt derzeit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Als einziger Spitzenpolitiker hat er im Juli an Renommee verloren. Und seine Antiterrorideen stoßen bei einer relativen Mehrheit von 45 Prozent auf Ablehnung.

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