SPD : Ehemaliger Bundesfinanzminister Matthöfer ist tot

Der SPD-Politiker Hans Matthöfer ist nach langer Krankheit gestorben. Sigmar Gabriel würdigte ihn auf dem Dresdener Parteitag als Kämpfer für die Rechte von Arbeitnehmern.

Lautes Getöse lag dem Sozialdemokraten Hans Matthöfer nicht. Strenge Sachlichkeit prägte das Auftreten des Gewerkschafters, Politikers und Managers. Das brachte dem früheren Bundesminister für Forschung und Technologie, Finanzen und Post das Etikett des spröden Technokraten ein. Doch gelang es Matthöfer auf diese Weise, die durch die "Neue Heimat"-Affäre ins Trudeln geratene Gewerkschaftsholding BGAG aus den Schlagzeilen und der Verlustzone zu bringen. Als Matthöfer 1997 nach zehn Jahren das Amt des Vorstandsvorsitzenden abgab, galt er als erfolgreicher Sanierer.

Sigmar Gabriel würdigte Matthöfer auf dem Parteitag in Dresden als einen Mann, der für die Sozialdemokratie und das Land "Herausragendes geleistet" habe. "Hans Matthöfer hat mitgeholfen, diese Welt für die Menschen solidarischer und lebenswerter zu gestalten", sagte der neue SPD-Vorsitzende. Matthöfer habe vieles bewirkt, was bis heute Gültigkeit habe, sagte er weiter. "Mehr Mitbestimmung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war sein wichtigstes Anliegen in der Politik."

Matthöfer starb nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren. Für die SPD war der im September 1925 Bochum geborene Matthöfer ein Intellektueller mit "Stallgeruch". Sein Vater war Hütten- und Fabrikarbeiter, dessen jahrelange Arbeitslosigkeit die Kindheit des Sohnes im uhrpott prägte. Über den zweiten Bildungsweg wurde Matthöfer Diplom-Volkswirt, erlernte vier Sprachen. Die stete Verbesserung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten blieb ihm ein Anliegen, für das er sich auch über das Rentenalter hinaus einsetzte.

Als Leiter der Bildungsabteilung begann seine Karriere bei der IG Metall. Im Jahr 1961 wurde Matthöfer erstmals in den Bundestag gewählt, dem er bis 1987 ununterbrochen angehörte. In der SPD war Matthöfer seit 1951, setzte sich auch dort für die Mitbestimmung und die "Humanisierung des Arbeitslebens" ein, unterstützte afrikanische Befreiungsbewegungen und half inhaftierten spanischen Gewerkschaftern.

Anfang der siebziger Jahre wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium. Im Jahr 1974 holte Helmut Schmidt ihn als Forschungsminister in sein Kabinett. Schon ein Jahr später forderte die CDU/CSU-Opposition seine Entlassung, weil Matthöfer die chilenische Militärjunta eine Mörderbande genannt hatte. Den Zorn der SPD-Linken zog sich Matthöfer in der 1976/77 immer heftiger werdenden Diskussion um die Atomenergie zu, bei der er eine eindeutige Festlegung vermied.

Als Finanzminister rückte Matthöfer immer mehr von linken Positionen ab. Seit 1978 im Amt versuchte er, die Staatsschulden zurückzufahren und das Wirtschaftswachstum dabei nicht zu gefährden. Mit Rückendeckung seines Freundes Schmidt legte er sich mit der eigenen Fraktion an und warnte, die wachsende Arbeitslosigkeit über eine Erhöhung der Staatsausgaben bekämpfen zu wollen. Stattdessen sollte mehr auf die Kräfte des Marktes vertraut werden. Die Zunahme der Staatsverschuldung konnte Matthöfer dennoch nicht verhindern. Im Jahr 1982 gab Matthöfer das Amt ab, ließ sich aber von Schmidt zur Übernahme des Postministeriums überreden. Dies sei eine seiner schönsten Aufgaben gewesen, sagte er später. Doch die Freude währte nur kurz. Ein halbes Jahr später verließ die FDP die Koalition.

Aus der Politik zog sich Matthöfer 1987 zurück. Nachdem er auch den Posten des SPD-Schatzmeisters niedergelegt hatte, ging er als Vorstandsvorsitzender zur BGAG. Im Jahr 1997 schied Matthöfer aus. An ein beschauliches Rentnerdasein dachte er dennoch nicht. Er blieb Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte und beriet Einrichtungen, die sich für Bildung und Mitbestimmung einsetzen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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