SPD-Kanzlerkandidatur : Parteiinterne Gräben vertiefen sich

Die SPD streitet weiter über die Frage, ob der Parteivorsitzende Kurt Beck der richtige Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2009 sei. Der Sprecher des konservativen Flügels Johannes Kahrs wagte sich sehr weit aus dem Fenster und wurde prompt zurückgepfiffen.

Johannes Kahrs
Der Sprecher des konservativen Flügels der SPD Johannes Kahrs hält Kurt Beck nicht für den richtigen Spitzenkandidaten für die...Foto: Visum

BerlinDie SPD streitet weiter über die Kanzler-Kandidatur für die Bundestagswahl 2009. SPD-Präsidiumsmitglied und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warnte seine Partei im WDR davor, sich mit euphorischen Forderungen nach einer
Urwahl des Kandidaten lächerlich zu machen.

Thierse: Kurt Beck hat natürliches Vorschlagsrecht

Der Parteivorsitzende Kurt Beck habe ein natürliches Vorschlagsrecht, sagte Thierse. Neben der Entscheidung in den Gremien biete das Parteistatut aber auch die Möglichkeit einer Mitgliederbefragung. "Das muss also entschieden werden nach durchaus vernünftigen pragmatischen Gesichtspunkten", sagte er. Eine Befragung der Mitglieder sei aber nur dann sinnvoll, wenn es mehr als einen Kandidaten gebe: "Wir würden uns sonst lächerlich machen."

Sinngemäß äußerten sich auch mehrere andere SPD-Politiker so, unter anderem der SPD-Chef von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering. Für ihn ist Beck der "natürliche erste (Kanzler-) Kandidat". Eine Abstimmung der Mitglieder über die Kandidatenfrage lehnte er unter Hinweis auf die Statuten im Radiosender "Antenne Mecklenburg-Vorpommern" aber nicht grundsätzlich ab.

Heil: Debatte kommt zur falschen Zeit

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hatte von seiner Partei verlangt, die Urwahl-Diskussion zu beenden, die der ehemalige Hamburger Spitzenkandidat Michael Naumann angestoßen hatte. "Die Diskussion über Verfahren und Kanzlerkandidaten ist eine Debatte zur falschen Zeit", sagte Heil dem Tagesspiegel.

Der Sprecher der konservativen Sozialdemokraten, Johannes Kahrs, geht nach Becks Öffnung für die Linke in den Ländern nicht davon aus, dass der SPD-Chef kandidieren wird. Kahrs dementierte aber Zitate aus dem "Flensburger Tageblatt", nach dem er davon gesprochen habe, dass Beck für diese Strategie "büßen" müsse. Kahrs erklärte in einer Pressemitteilung, es werde derjenige Kandidat sein, der am ehesten die Wahl gewinnen könne. Es sehe derzeit nicht danach aus, dass dies Beck sei.

Hamburger SPD pfeifft Johannes Kahrs zurück

SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen sagte im Radiosender "Deutschlandfunk", er sei sicher, dass Beck zu gegebener Zeit mit seinem Vorschlag auf große Akzeptanz stoßen werde. "Die häufig wechselnde Meinung meines Kollegen Kahrs zu der Frage der Führungsqualitäten von Kurt Beck ist nun wirklich nicht wesentlich", sagte er. Hamburgs SPD-Chef Ingo Egloff rief zur Mäßigung auf. "Das gilt auch für die Hamburger Genossen, die in Funktionen in Berlin sind", erklärte Egloff mit Blick auf den Hamburger Abgeordneten Kahrs. (ml/dpa)

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