Politik : Terroranschläge in Europa: Die Rakete kam nach Feierabend

Hendrik Bebber

In dem James-Bond-Film "Die Welt ist nicht genug" fliegt das Hauptquartier des britischen Geheimdienstes MI 6 in die Luft. Die Wirklichkeit erinnerte in der Nacht vom Donnerstag glücklicherweise nur an einen Abklatsch der Fiktion: Das Gebäude in London wurde von einem Sprengkörper getroffen. Das Geschoss schlug im achten Stock des futuristischen Hochhauses am südlichen Themse-Ufer ein. Nach den Angaben der Polizei richtete die Explosion jedoch nur geringen Sachschaden an. Menschen kamen nicht zu Schaden, da die Büros bei dem nächtlichen Anschlag unbesetzt waren.

Der Hauptverdacht richtet sich gegen Splittergruppen, die sich von der IRA trennten, um weiter den Friedensprozess in Nordirland zu stören. Alan Fry, der Chef der Anti-Terroreinheit von Scotland Yard sagte vor der Presse, dass die Polizei die "Fähigkeit irischer Dissidentengruppen im Auge" hat. "Aber zu diesem Zeitpunkt können wir keine anderen Organisationen ausschließen."

MI 6 ist der Spionage-Arm des britischen Geheimdienstes und setzt seine Agenten im Ausland ein. Die innere Sicherheit obliegt der Schwesterorganisation MI 5. Die berühmtesten "Mitarbeiter" der 1921 gegründeten Abteilung sind wohl der Agentenchef "Smiley" aus den Thrillern von John le Carrée und "James Bond".

Die Explosion sorgte für beträchtliches Chaos. Im weiten Umkreis sperrte die Polizei Straßen und U-Bahnstationen, um nach Spuren zu suchen. Dadurch wurde der morgendliche Berufsverkehr erheblich beeinträchtigt. Anwohner dachten bei der nächtlichen Explosion zunächst an ein Feuerwerk. Doch Augenzeugen wunderten sich, dass der Anschlag nur geringen Schaden anrichtete. Andrew Preece, der mit seinem Auto nur wenige hundert Meter entfernt an dem Gebäude vorbeifuhr, spürte einen gewaltigen Schlag, der die Erde erbeben ließ."

Auch ein Volltreffer in das Gebäude hätte die Arbeit von MI 6 nicht stark beeinträchtigen können. Die mit elektronischer Hightech vollgepfropfte Schaltzentrale liegt in den bombensicheren Kellergeschossen. Bis in die siebziger Jahre durften die Briten noch nicht einmal wissen, dass es den MI 6 überhaupt gibt. Mit dem Umzug in das imponierende Gebäude machte sich der Geheimdienst für die Öffentlichkeit "transparent" und gab sogar Stellenangebote in den Zeitungen auf. Anfang des Jahres kündete das Außenministerium nach einer peinlichen Panne schärfere Sicherheitsmaßnahmen an. Ein Laptop-Computer mit hochgeheimen Informationen für das Training der Agenten ging verloren und wurde von der Polizei erst nach zwei Wochen wieder entdeckt: Ein Mitarbeiter hatte das Gerät nach einer Zechtour im Taxi vergessen.

» Jamaika-Aus: Wie geht es weiter? Jetzt E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben