Politik : Vatikan: Auf Wunsch des Papstes

Clemens Wergin

Am Freitag hat der Papst seinen 81. Geburtstag gefeiert. Rechtzeitig zum frohen Ereignis hat er verkündet, welche Geschenke er sich von der neuen italienischen Regierung wünscht. Ganz oben stehen eine Schulreform, welche die katholischen Privatschulen den staatlichen gleichstellt, eine Stärkung der Familie und der Ehe gegenüber "anderen Formen des Zusammenlebens" - und besondere Vorsicht bei den Biotechnologien.

Die Einlassung des Papstes ist die zweite Stellungnahme der Kirche nach den Wahlen. Zuvor verlautete aus der italienischen Bischofskonferenz, man müsse versuchen, den Abtreibungsparagraphen abzuschaffen. Ein Anliegen, das in der konservativen Koalition besonders bei Rocco Buttiglione von der CDU positive Resonanz findet. Auch wenn er in einem Interview mit "La Repubblica" einräumte, dass dies wohl keine Mehrheit im Parlament finden würde.

Vor den Wahlen hatte die Kirche keine Empfehlungen an die Gläubigen abgegeben. Diese Zurückhaltung lag daran, dass der linke Flügel der alten "Democrazia Cristiana" (DC) Zuflucht in der Mitte-Links-Koalition gefunden hatte. Außerdem hatte der Schützling des Vatikan Giulio Andreotti mit einer unabhängigen Partei um die katholischen Stimmen geworben, sodass eine offene Parteinahme für Berlusconi nicht opportun erschien. Es ist aber kein Geheimnis, dass die Präferenzen des Vatikans dem rechten Lager gelten, wo die meisten Ex-DCler Zuflucht gefunden haben. Jetzt erhofft man sich eine kirchenfreundlichere Politik, besonders hinsichtlich der katholischen Privatschulen, die vom Staat stärker finanziert werden sollen.

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