Vertrauen am Tiefpunkt : Berlin zweifelt am Reformwillen Griechenlands

Im Gezerre um die Griechenland-Hilfen hat sich der Ton zwischen Berlin und Athen deutlich verschärft. Deutschland ist skeptisch, ob der von der Pleite bedrohte Euro-Staat alle Zielvorgaben einhalten kann.

Können die Hilfspakete Griechenland wirklich retten? In der Euro-Zone wachsen die Zweifel.
Können die Hilfspakete Griechenland wirklich retten? In der Euro-Zone wachsen die Zweifel.Foto: Reuters

Die Eurogruppe hat ein Ende der Hängepartie um das Kreditpaket zur Rettung Griechenlands für Anfang kommender Woche in Aussicht gestellt. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte nach einer Telefonkonferenz der Finanzminister am Mittwoch, er sei zuversichtlich, dass die Gruppe bei ihrer nächsten Sitzung am Montag alle notwendigen Beschlüsse fassen könne. Griechenland habe weitere dazu notwendige Voraussetzungen erfüllt, darunter einen Plan für Einsparungen von weiteren 325 Millionen Euro in diesem Jahr. In deutschen Regierungskreisen hieß es aber zurückhaltend, die nun vorgelegten Unterlagen müssten erst sorgfältig geprüft werden bis Montag. Die Entscheidung über das Rettungspaket sei offen.

Der Streit über den mangelnden Reformwillen des pleitebedrohten Euro-Staates brach zwischen Deutschland und Griechenland unterdessen offen aus. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias verbat sich Kritik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Beleidigung seines Landes. Zuvor hatte Finanzminister Evangelos Venizelos “bestimmte Mächte“ gewarnt, mit dem Feuer zu spielen. Schäuble hatte Griechenland als Fass ohne Boden bezeichnet und erklärt, die Euro-Zone könne eine Pleite des Landes heute besser verkraften als vor zwei Jahren. In Griechenland wurde das als Vorbereitung eines Rauswurfs aus der Euro-Zone verstanden.

Anti-deutscher Protest in Griechenland
"Arbeit macht frei": Nazi-Vergleiche sind bei den Protesten in Griechenland wieder en vogue. Immer wieder werden EU und besonders die deutsche Regierung für die sich verschärfende Krise verantwortlich gemacht.Weitere Bilder anzeigen
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16.02.2012 12:49"Arbeit macht frei": Nazi-Vergleiche sind bei den Protesten in Griechenland wieder en vogue. Immer wieder werden EU und besonders...

In der Bevölkerung wächst die Wut über immer neue Forderungen aus Berlin. Demonstranten verbrannten bereits deutsche Fahnen. In Zeitungen wurde eine Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Nazi-Uniform veröffentlicht. “Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt? Wer sind die Niederländer? Wer sind die Finnen?“, fügte der 82-Jährige während eines Mittagessens mit dem Verteidigungsminister und Spitzenvertretern des Militärs in Athen hinzu. Deutschland, Finnland und die Niederlande hatten Euro-Kreisen zufolge zuletzt eine Verschiebung des Rettungspakets bis nach der für April geplanten Wahl zur Diskussion gestellt.
Die Geberländer verlieren langsam die Geduld mit den Griechen, die in der zweijährigen Rettungsaktion schon viele Zusagen gebrochen haben. “In den letzten Monaten mussten wir feststellen, dass sich scheinbar manches leichter verspricht, als dann umgesetzt wird. Das ist ein Problem“, sagte Schäuble der “Ostsee-Zeitung“. Er bekräftigte seine Forderung nach zusätzlichen Garantien der Parteien, sich auch nach der Wahl noch an das Sparprogramm zu halten.

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