Vor der Bundestagswahl : Regierung und Opposition gleichauf

Fünf Tage vor der Bundestagswahl liegen die Regierungs- und Oppositionsparteien laut Forsa-Umfrage gleichauf. Aber Peer Steinbrück bekräftigt erneut, kein "Steigbügelhalter" für eine Koalition mit Merkel zu sein. Auch über sein Stinkefinger-Foto spricht er - und begründet, warum er zur Geste steht.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Absage an Merkel
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Absage an MerkelFoto: dpa

Wenige Tage vor der Bundestagswahl liegen die schwarz-gelbe Koalition und die drei Oppositionsparteien in der Wählerstimmung exakt gleichauf. Im Forsa-Wahltrend des Magazins „Stern“ und des Senders RTL vom Dienstag erhalten Union und FDP gemeinsam 44 Prozent - SPD, Grüne und Linke gemeinsam ebenfalls.

Die Union kommt unverändert auf 39 Prozent. Die FDP büßt in der bis zum Tag nach der verlorenen Bayern-Wahl laufenden Umfrage einen Punkt auf 5 Prozent ein. Der SPD wollen unverändert 25 Prozent der Bürger ihre Stimme geben. Gleichfalls wie in der Vorwoche entfallen 10 Prozent auf die Linke und 9 Prozent auf die Grünen, die damit bei diesem Umfrageinstitut erneut im einstelligen Bereich liegen.

Rechnerisch möglich wären nach den Forsa-Zahlen derzeit nur eine große Koalition (zusammen 64 Prozent) oder ein schwarz-grünes Bündnis (48 Prozent). Die euro-kritische Partei Alternative für Deutschland verharrt bei 3 Prozent, ebenso wie die Piraten.

Doch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück noch einmal bekräftigt, für eine große Koalition nicht zur Verfügung zu stehen. “Weil ich rechtzeitig gesagt habe, dass ich in einer großen Koalition schon mal tätig war. Ich bin nicht erneut der Steigbügelhalter für Frau Merkel“, begründete er seine Haltung in einem Interview der ZDF-Nachrichtensendung “heute-journal“ am Montag. Er sei ins Gelingen verliebt und wolle weiter für eine rot-grüne Bundesregierung ringen. Steinbrück war unter der von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten großen Koalition 2005 bis 2009 Finanzminister.

Das umstrittene Foto im Magazin der “Süddeutschen Zeitung“, das ihn mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt, verteidigte Steinbrück damit, dass er Kandidat und noch nicht Bundeskanzler sei. Man müsse unterscheiden, was in einem Wahlkampf, auch satirisch, erlaubt und was dann auf internationalem Parkett an Eigenschaften gefordert sei. “Ich für meinen Teil möchte keinen Wahlkampf betreiben, der nur langweilig ist, der nur stocksteif ist“, wurde Steinbrück zitiert.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Mehrheit der Deutschen möchte, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter regiert. Wenn sie ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich laut Forsa 53 Prozent für die CDU-Chefin entscheiden (plus 1 im Vergleich zur Vorwoche). 26 Prozent ziehen den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vor. 21 Prozent wollen weder Merkel noch Steinbrück als Regierungschef. Forsa befragte vom 10. bis zum 16. September 2502 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten.

mit dpa


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