Politik : Wahlen in Italien: Römisches Toto

Clemens Wergin

Seit Tagen ist in Italien das "toto-ministri", der Kampf um die Regierungsposten, in vollem Gange. Und Umberto Bossi von der Lega Nord zeigt die Zähne, stellt seine Bedingungen: Den Vorsitz in einer der beiden Kammern des Parlaments will er, ein wichtiges Ministerium und den Posten des stellvertretenden Regierungschefs für sich selbst. Sollte die Lega in der Regierung nicht "sichtbar" sein, werde man Berlusconi nur von außen unterstützen. Dann würde Bossi wieder eine Sonderrolle spielen, was Berlusconi nicht gefallen dürfte. Zu dünn ist seine Mehrheit im Senat, als dass er fahrlässig mit den Stimmen der Lega umgehen könnte.

Die Regierungsbildung gestaltet sich deshalb so schwierig, weil Berlusconis Partner arg gerupft aus den Wahlen hervorgegangen sind. Sie haben einen hohen Preis dafür zahlen müssen, dass der ganze Wahlkampf auf Berlusconi zugeschnitten war und sich alle unter der Medienfuchtel des Multimilliardärs wegduckten, um ja nicht den Eindruck von Uneinigkeit zu erwecken. Jetzt wollen sie entsprechend entlohnt werden - mit Posten und Einfluss.

Im Zentrum der Begehrlichkeiten steht das Außenministerium. Einer der wichtigsten Posten in der neuen Regierung angesichts der Skepsis, die Berlusconi in der westlichen Welt entgegen gebracht wird. Deshalb hatte zunächst der Parteilose Renato Ruggiero gute Chancen, der als ehemaliger Generaldirektor der Welthandelsorganisation großes Ansehen im Ausland genießt. Doch besonders Gianfranco Fini von der Alleanza Nazionale scheint hier sein Veto eingelegt zu haben: Er will Politiker, nicht "Technokraten" in Regierungsämtern sehen. Ruggiero war ihm zu unabhängig.

Während im konservativen Lager jeden Tag eine neue Parteienarithmetik diskutiert wird und Berlusconi sich schon mit Regierungschef Giuliano Amato getroffen hat, um seinen ersten großen Auftritt auf der internationalen Bühne beim G-8-Treffen im Juli in Genua vorzubereiten, gewinnt Francesco Rutelli auf der Linken zunehmend an Statur. Anfang der Woche war er einstimmig zum Oppositionsführer der Mitte-Links-Koalition gekürt worden. Nun scheint ihm zu gelingen, was nicht mal seinem Vorgänger Romano Prodi gelang: Die Splitterparteien der moderaten italienischen Linken zusammenzuführen.

Rutellis "Margherita" war zunächst nur als gemeinsame Wahlliste vier kleiner Parteien gedacht. Doch das überwältigende Wahlergebnis von über 14 Prozent, mit dem die "Margherita" unter Rutelli zur dritten Kraft in Italien wurde, hat zum Umdenken geführt. So haben die Parteichefs beschlossen, noch vor den Sommerferien die "Margherita" zu einer eigenständigen Partei unter Rutellis Führung zu machen. Der ehrgeizige ehemalige Bürgermeister von Rom ist dabei, vom politischen Leichtgewicht zum Mittelgewichtler zu werden.

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