Zukunft für Linke : Lafontaine spekuliert über Vereinigung mit der SPD

Der scheidende Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine hat zum ersten Mal öffentlich über eine später mögliche Vereinigung seiner Partei mit der SPD spekuliert. Unterdessen streiten die Genossen über den designierten Nachfolger Klaus Ernst.

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Berlin - Der scheidende Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine hat zum ersten Mal öffentlich über eine später mögliche Vereinigung seiner Partei mit der SPD spekuliert. Der Zeitschrift „Stern“ sagte Lafontaine, er werde diese Fusion aber „wohl kaum“ erleben: „Wenn die Programme beider Parteien sich wirklich einmal hinreichend angenähert haben, müssen die dann Verantwortlichen klären, ob es sinnvoll ist, zwei Parteien mit dem gleichen Programm zu haben.“ Er selbst komme „mehr und mehr“ zu der Auffassung, dass in den westlichen Industriegesellschaften eine Partei links von der Sozialdemokratie notwendig sie. Von der SPD Sigmar Gabriels „trennt uns noch viel“.

Im vergangenen Dezember hatte bereits Lafontaines Ko-Chef Lothar Bisky, der ebenfalls auf dem Parteitag im Mai in Rostock nicht mehr antritt, eine Fusion nicht ausgeschlossen. Für seine Bemerkung im „Spiegel“, dies sei „vielleicht ein Projekt der nächsten Generation“, erntete er innerparteilich heftigen Widerspruch.

Als „größte Schwäche“ der Linken nannte Lafontaine, „dass sie im Westen nicht stabil ist. Hier ist noch Aufbauarbeit zu leisten.“ Die Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Lebenserfahrungen aus Ost und West sei für ihn in der Linkspartei „spannend“ gewesen. Die Frage „Wo bin ich hier bloß reingeraten?“ stellte sich Lafontaine durchaus in der Linken – allerdings habe er sich diese Frage „in der SPD auch öfter gestellt“. Den Ehrenvorsitz der Linkspartei will der scheidende Vorsitzende nicht haben: „Das wäre zu viel der Ehre für mich.“

Lafontaine berichtete, dass schon sein Verzicht auf den Vorsitz der Bundestagsfraktion im Oktober mit seinem Gesundheitszustand zu tun hatte. Anfang vergangenen Jahres hatte er demnach Probleme mit dem Herzen. Und seit September habe er eine Virusinfektion der Atemwege, „die ich bis heute nicht in den Griff bekommen habe“. Lafontaine bestätigte auch erstmals einen weiteren privaten Grund für seinen Rückzug: „Ohne Einschränkung“ sei es ein Grund gewesen, wieder mehr Zeit für seinen Sohn Carl-Maurice haben zu wollen, der jetzt 13 Jahre alt wird.

Wie instabil die Linke im Westen noch ist, wurde zuletzt nach Lafontaines angekündigtem Rückzug bei der Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden deutlich. Auch wenn die Linke inzwischen in fünf westdeutschen Landtagen vertreten ist, hat sie immer noch Probleme, geeignetes Führungspersonal zu finden. Als Nachfolger für Lafontaine hatte der Parteivorstand am Dienstag den Parteivize und WASG-Mitbegründer Klaus Ernst nominiert – der sowohl im Westen als auch im Osten umstritten ist. Zahlreiche ostdeutsche Funktionäre nahmen ihm übel, dass er sich im Machtkampf um Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch offen gegen diesen gestellt und ihm ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu Lafontaine zur Last gelegt hatte. Ernst habe dabei nicht gerade Integrationswillen bewiesen, murrte etwa der Berliner Landesverband. Viele Frauen halten Ernst außerdem für einen unverbesserlichen Macho. „Modern wirken wir mit so einem Typen an der Spitze nicht“, stellt eine von ihnen fest.

Der designierte Parteichef, der die Linke gemeinsam mit der Berliner Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch führen soll, kennt diese Vorbehalte. Ernst hält es daher auch für denkbar, dass es auf dem Rostocker Parteitag einen Gegenkandidaten geben könnte. „Wir sind eine sehr lebhafte Partei, und daher könnte es durchaus auch Gegenkandidaten für die eine oder andere Position geben“, sagte Ernst im ZDF. Das sei auch nicht schlimm. Er selbst sei nicht besonders „pflegeleicht“ und sage oft sehr deutlich, was er denke, und das gefalle nicht immer allen.

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