Der Tagesspiegel : Potsdam feiert Modeschöpfer

THORSTEN METZNER

POTSDAM . Brandenburgs Kulturminister Steffen Reiche (SPD) hatte sich zum Empfang in den Neuen Kammern von Sanssouci extra noch einmal umgezogen. Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) erschien am Donnerstag gleich im dunklen Joop-Anzug. Anlaß: Die Präsentation des neuen Duftes "rococo" des Modeschöpfers Wolfgang Joop in der brandenburgischen Landeshauptstadt - der Stadt, wo er vor 54 Jahren geboren wurde und jetzt zeitweise im Haus seiner Eltern lebt. Seit Wochen wurde die Vorstellung als "Event des Jahres" gehandelt.

Die sonst obligatorischen Filzpantoffeln muß keiner der rund 160 Mediengäste aus aller Welt in den historischen Räumen anziehen. Dies fand eine Aufseherin auch nicht schlimm, komme doch dafür etwas Glanz nach Sanssouci. Joop - im durchsichtigen Mille-Fleur-Blüschen, mit lässig offenen Manschetten und hellbraunen Kord-Jeans, eine giftgrüne Sonnenbrille auf der Nase - begrüßt die Potsdamer Lokalpolitiker wie alte Freunde mit Schulterklopfen.

In etwas holprigem Englisch liest Reiche anschließend Zeile für Zeile seine kurze Ansprache vor: Der Duft werde um die Welt gehen, sagt der gelernte Pfarrer voraus. Für die Stadt und das Land sei das alles eine große Ehre. Artig bedankt sich Joop bei dem "dynamischen Bürgermeister" und dem "progressiven Minister" sowie Schlösserchef Hans-Joachim Giersberg, der "schützend seine Hand über Sanssouci hielt und hält". Dieses Lob ließ machen aufhorchen, hatte sich der Designer doch zuvor öffentlich über Giersberg beschwert. Joop wollte seinen neuen Duft in den historischen Räumen präsentieren, was Giersberg ihm mit Verweis auf den kommerziellen Charakter der Veranstaltung verweigerte. In den Konflikt griff Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) höchstpersönlich ein und lud die Mediengäste des Designers im Namen der Landesregierung in die Neuen Kammern. Dabei durfte aber nicht geworben werden.

Joop stellte daher seinen neuen Duft im nahegelegenen Garten der Eltern vor. Das Parfüm hat eine schwere orientalische Note und erinnert an Ingwer. Fachjournalistinnen urteilten zunächst distanziert: Der Duft sei eigentlich nicht so neu, wie angekündigt. Auf die Fehde mit dem Schlösserchef angesprochen sagt Joop, er hätte 150 000 Mark für eine Präsentation in den historischen Räumen gespendet. "Ich wollte doch keine Drogerie aus Sanssouci machen. Manche denken, der kommt aus New York und bringt 300 amerikanische Nutten mit." Schlösserchef Giersberg ließ sich beim Empfang mit Urlaub entschuldigen. Sein Pressechef lud zur gleichen Zeit zum eigenen Pressetermin.

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