Potsdam : Streit um Asylheim

150 Ausländer sollen in einem Potsdamer Plattenbaugebebiet ein neues Quartier bekommen. Anwohner und Vermieter wehren sich dagegen

Kay Grimmer

Potsdam - Lange gab es Streit. Doch nun soll der Umzug des Asylbewerberheims vom Stadtrand in ein Plattenbaugebiet in Abstimmung mit dortigen Nachbarn, den Asylbewerbern selbst und Integrationsprojekten erfolgen. Das kündigte die Potsdamer Sozialbeigeordnete Elona Müller (parteilos) an. Dafür will die Stadt bis zu 65 000 Euro zur Verfügung stellen.

Den Umzugsankündigungen in das einstige Problemwohngebiet Am Schlaatz gingen Proteste von Anwohnern voraus, eine Wohnungsgenossenschaft machte ihre Einwände in Zeitungsannoncen deutlich. Schließlich kam es auch zu fremdenfeindlichen Schmierereien am zukünftigen Asylbewerberheim, die NPD ließ Flugblätter verteilen.

Die Einrichtung soll in ein ehemaliges Lehrlingswohnheim ziehen, der Fünfgeschosser wird derzeit für den Einzug der bis zu 150 Asylbewerber vorbereitet. Die Bewohner werden in 60 Appartements untergebracht. Am 1. Juli diesen Jahres soll das Heim unter neuer Trägerschaft des Diakonischen Werks am Schlaatz öffnen. Der Hauptausschuss der Landeshauptstadt befürwortete in seiner aktuellen Sitzung einstimmig die Umzugspläne an den Schlaatz. Die Wogen über die Umzugsankündigung indes glätten sich nur langsam.

Die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft PBG hatte mittels bezahlter Anzeigen Konsequenzen angekündigt, sollte das Heim an den Schlaatz ziehen, wo das Unternehmen einen Großteil seiner Wohnungen hat. „Kommt das Heim, werden wir unsere Investitionen neu prüfen“, sagte PBG-Vorstand Roland Zellmann. Die Genossenschaft will in diesem Jahr 4,5 Millionen Euro in die Sanierung von Plattenbauten stecken. Außerdem plant die PBG einen fünf Millionen Euro teuren Neubau eines Mehrgenerationenquartiers in Sichtweite zum Asylbewerberheim. Nach großer Kritik an den PBG-Äußerungen deutet das Unternehmen inzwischen Gesprächsbereitschaft an.

Bei einer Bürgerversammlung machten Anwohner mit drastischen Worten ihre Ängste deutlich. Deutlich wurde bei der Diskussion indes auch: Von rechten Parolen will man sich nicht einfangen lassen: der Redebeitrag eines DVU-Mitglieds ging im allgemeinen Protest unter. Der Schlaatz gilt zwar nicht mehr als Problemstadtteil, verzeichnet aber bereits jetzt die höchste Ausländerquote. Jeder dritte Stadtteilbewohner lebt von Hartz IV.

Mehrere Bewohner des jetzigen Flüchtlingsheims am Lerchensteig kritisierten die geplanten Durchgangszimmer, die alle 60 Wohnungen besitzen – und in denen jeweils ein Schlafplatz entstehen soll.

In Potsdam leben derzeit 348 Asylbewerber. Kay Grimmer

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