Der Tagesspiegel : Potsdamer City vonAuszehrung bedroht

THORSTEN METZNER[POTSDAM]

Umfrage verdeutlicht Abfluß von KaufkraftVON THORSTEN METZNER, POTSDAMDas Einkaufszentrum "Stern-Center" saugt in dramatischem Ausmaß Kaufkraft aus der barocken Potsdamer Innenstadt ab, die zu veröden droht.Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" erklären 64 Prozent der Potsdamer, daß sie Bekleidung, Schuhe, Möbel und Elektrowaren in der Regel im Stern-Center kaufen.39 Prozent nennen außerdem oder nur Berlin - aber lediglich 15 Prozent erwähnen die Fußgängerzone Brandenburger Straße.Innenstadthändler befürchten eine Pleitewelle. Nicht einmal ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung ist das für 320 Millionen Mark erbaute Stern-Center, dessen Verkaufsfläche von 36 000 Quadratmetern etwa derjenigen der gesamten Innenstadt entspricht, offensichtlich zum beliebtesten Einkaufsort für die Potsdamer geworden.Dagegen bekommt die Fußgängerzone in der Brandenburger Straße - die zu DDR-Zeiten als "Boulevard" diese Rolle einnahm - heute weitgehend schlechte Noten.Nach der repräsentativen Forsa-Umfrage, bei der 1008 Potsdamer befragt worden sind, äußerten sich nur ein Prozent sehr zufrieden und elf Prozent zufrieden über die Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt - 80 Prozent sind dagegen "weniger" oder "überhaupt nicht" zufrieden.Unter Mittelverdienern (Nettohaushaltseinkommen von 4500 Mark an aufwärts) ist die Unzufriedenheit über die mangelhafte Shopping-Attraktivität der Innenstadt noch größer als bei Geringverdienern.Sogar 61 Prozent der kaufkraftstärksten Schicht nennen das Stern-Center als Haupteinkaufsort, 51 Prozent Berlin - aber nur zwölf Prozent die noch unter HO-Ambiente leidende Brandenburger Straße. Die Umfrageergebnisse decken sich im Kern mit Händleraussagen aus der Innenstadt, die seit der Eröffnung des Stern-Centers - das von der Stadtregierung als zu groß gewertet wird - von Umsatzeinbußen zwischen 30 und 50 Prozent berichten.Zum anderen leidet das Image der zweiten baroêken Stadterweiterung - auch dies bestätigte die Umfrage erneut - vor allem an der eklatanten Parkplatznot, die Einheimische und Besucher zur Verzweiflung treibt.Laut Forsa-Umfrage sind lediglich sieben Prozent der Potsdamer mit der jetzigen Stellplatz-Situation zufrieden, jedoch zwölf Prozent weniger und 60 Prozent überhaupt nicht.Dagegen schnitt das Angebot an Gaststätten, Restaurants, Kinos und Freizeiteinrichtungen, das in den letzten Monaten deutlich zugenommen hat, noch am besten ab.Immerhin 29 Prozent der Befragten äußerten sich zufrieden und sehr zufrieden - allerdings auch hier 53 Prozent weniger und überhaupt nicht zufrieden.19 Prozent machten keine Angaben.Nur die Vierzehn- bis Neunzehnjährigen machen eine Ausnahme: Eine zwar hauchdünne Mehrheit von 48 Prozent dieser Altersgruppe ist mit dem Kneipen-Angebot im Stadtzentrum zufrieden - 47 Prozent sind unzufrieden.

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