PREUSSENS GLANZ UND GLORIA Die Schlösser Berlins und Brandenburgs neu entdeckt AUSSENANSICHTEN : Königliche Träume

Der Berliner Fotograf Leo Seidel beleuchtet die Räume der Majestäten in der Region neu

Lars von Törne

Die Taschenlampe ist seine Geheimwaffe. Damit hat der Fotograf Leo Seidel die Innenräume der Schlösser Berlins und Brandenburgs während seiner teils minutenlangen Belichtungen so effektvoll ausgeleuchtet, dass man auch die Bekannteren unter ihnen neu zu entdecken meint. Jeden Winkel in Charlottenburg, den Prachtbauten von Sanssouci und in Dutzenden anderer Preußenschlösser hat der Berliner Fotodesigner mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Und er hat sich die Lichteffekte der Natur zunutze gemacht, von gleißenden Sonnenstrahlen, die dramatische Akzente setzen, bis zum zarten Schimmer der ersten Morgen- und der letzten Abendstunden, die die historischen Bauten mild veredeln.

Das Ergebnis von Seidels zweieinhalbjähriger Arbeit mit Unterstützung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ist der opulente Fotoband „Preußens Glanz“, der diese Tage in die Buchläden kommt. Darin lädt der 30-jährige Fotodesigner zu einer Reise durch fünf Jahrhunderte ein, unterstützt durch sachkundige Texte des langjährigen Generaldirektors der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hans-Joachim Giersberg.

Es beginnt mit dem Jagdschloss Grunewald, 1542 unter dem Kurfürsten Joachim II. erbaut, und endet mit Schloss Cecilienhof im Neuen Garten, 1913 bis 1917 erbaut als Sitz des Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecilie. Während Giersbergs chronologischer Text betont sachlich und knapp gehalten ist, sind Seidels Fotos farbenfrohe, oft üppige Inszenierungen der ganzen Pracht und architektonischen Besonderheiten der Bauten.

Gerade Vorzeigeschlösser wie Charlottenburg, Sanssouci oder Rheinsberg hat der Fotograf zum Strahlen gebracht, indem er jedes Detail individuell beleuchtete. Auch weniger bekannte Orte wie die Meierei auf der Pfaueninsel oder das zeltartige Schlafzimmer der Hofdamen in Charlottenhof zeigt er von ihrer besten Seite. Bei den Außenaufnahmen schöpft Seidel ebenfalls aus dem Vollen, spielt mit Spiegelungen in Scheiben und Gewässern, nutzt Kontraste von Wolken und Sonne, Schnee und Dunkelheit, um den Gebäuden den bestmöglichen Auftritt zugeben. „Auch wenn man glaubt,die Schlösser und Gärten der Hohenzollern in Berlin, Potsdam und Brandenburg bereits in- und auswendig zu kennen: Die Fotos von Leo Seidel belehren uns eines Besseren“, schreibt Hartmut Dorgerloh, heutiger Generaldirektor der Schlösserstiftung, im Vorwort. Zu Recht: Selten hat man die historische Pracht der Region so glänzen sehen, manche Bilder wirken in ihrer statischen Schönheit fast unwirklich. Vor allem aber machen sie eines: Lust auf weitere Entdeckungstouren.

Leo Seidel (Fotos) und Hans-Joachim Giersberg (Texte in Deutsch und Englisch): „Preußens Glanz. Königsschlösser in Berlin und Brandenburg“. Prestel-Verlag 2007, 190 Seiten, 29,95 Euro

Zweieinhalb Jahre lang fotografierte Leo Seidel mehr als 30 Schlösser und Gärten. Viele besuchte er mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten, um das richtige Licht abzupassen.

Schloss Charlottenburg

Die Anfänge des Gebäude-Ensembles reichen bis ins Jahr 1695 zurück, die Zeit Friedrichs III. Als letztes Gebäude auf dem Gelände wurde unter Friedrich Wilhelm II. 1824/25 Schinkels Neuer Pavillon errichtet.

Orangerieschloss Sanssouci

Die ersten Entwürfe fertigte Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1830 nach seiner Italienreise an. Gut 20 Jahre später wurde der Bau auf dem Hügel nördlich des Parks Sanssouci errichtet.

Schloss Charlottenhof

Karl Friedrich Schinkel orientierte sich bei seinem Entwurf an der Formsprache der Antike. Bei der Parklandschaft mit der 1826 aufgeschütteten Terrasse entfaltete Peter Josef Lenné sein ganzes Können.

Pfaueninsel: Meierei und Schloss

Wie ein verfallenes römisches Landhaus sollte das Schlösschen (rechts) aussehen, das 1794/95 unter Friedrich Wilhelm II. gebaut wurde. Die Meierei mit Kuhstall und Molkenstube auf der nordöstlichen Seite der Insel war als gotische Ruine angelegt.

Neues Palais Potsdam

Mit der Sommerresidenz für die königliche Familie und für fürstliche Gäste wollte Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Krieg die Kraft Preußens demonstrieren. In nur sieben Jahren Bauzeit war das Schloss 1769 fertig.

Schloss Rheinsberg

Nach dem Umbau 1736 machte Kronprinz Friedrich II. das Schloss zu seinem Sitz – und zu einem Ort des intellektuellen und künstlerischen Austausches. Es inspirierte den 1746 fertiggestellten Bau des Schlosses Sanssouci, unter anderem mit der Bibliothek und dem Eingangsportal zum Park.

Römische Bäder

Florentinische Villen und sizilianische Bauernhäuser dienten Schinkel, seinem Bauherren Friedrich Wilhelm IV. und dem Architekten Ludwig Persius als Vorbild für das Ensemble. Die Entwürfe stammen aus dem Jahr 1826, beendet wurden die Arbeiten in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

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