Prostitution : Brandenburg - Einreiseland der osteuropäischen Rotlichtszene

Der Frauenhilfeverein "Belladonna" beklagt nach der Grenzöffnung zu Polen die ungehinderte Einreise osteuropäischer Prostituierter und Zuhälter nach Brandenburg und Berlin. Die Bundespolizei hat jeglichen Überblick verloren. In der Hauptstadt versuchen die Osteuropäer derweil die Rotlichtszene zu übernehmen.

Bernd Kluge[ddp]

Frankfurt (Oder)Sie stehen an den Zufahrtsstraßen nach Frankfurt (Oder) und an der vielbefahrenen Bundesstraße 1 zwischen Seelow und Müncheberg im Landkreis Märkisch-Oderland: Leicht bekleidete Mädchen in kurzen Röcken. Die zumeist aus Bulgarien stammenden jungen Frauen verkaufen ihren Körper, animieren Autofahrer zum Anhalten, damit sie die 30 bis 50 Euro kostenden Sexdienste in Anspruch nehmen.

Die Prostituierten auf dem Straßenstrich sind die einzigen sichtbaren Zeichen einer florierenden Rotlichtszene, für die Brandenburg allerdings eher Transitland ist. Dennoch sind Experten überzeugt davon, dass in Sachen Menschenhandel und Zwangsprostitution über die polnisch-deutsche Grenze viel mehr läuft. "Die Szene braucht ständig neue, junge Frauen. Doch niemand schaut mehr hin", sagt Uta Ludwig vom Frankfurter Frauenhilfeverein "Belladonna". Der Verein engagiert sich seit Jahren für die Aids-Prävention in der Grenzregion. Zudem werden Opfer von Menschenhandel meist aus dem Rotlichtmilieu betreut.

Bundespolizei: "Niemand hat mehr den Durchblick"

Auch Lars Wendland von der Bundespolizeigewerkschaft (bgv) ist besorgt. "Die Grenzübergänge wirkten früher wie ein Filter, durch den jeder - zumindest bei einer Einreise auf legalem Weg - durchmusste", sagt der Bundespolizist aus Frankfurt. Das Problem jetzt: Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen Ende vergangenen Jahres hat niemand mehr den Überblick. Bundespolizei und Zoll kontrollieren nur noch stichprobenartig im Grenzhinterland. Damit sei die Kontrolldichte wesentlich geringer, zumal immer mehr Personal bei der Bundespolizei in Ostbrandenburg abgebaut werde, sagt Wendland.

Nicht nur potenzielle Prostituierte reisen offenbar nahezu unbehelligt ein, sondern auch zwielichtige, skrupellose Zuhälterbanden. "Wir erhalten in jüngster Zeit verstärkt Hilferufe von deutschen Huren aus Berlin", berichtet die "Belladonna"-Chefin. Dort würden Russen und Tschetschenen zunehmend die Kontrolle über die Rotlichtszene übernehmen und dabei nicht gerade zimperlich vorgehen, sagt sie.

Rotlichtszene auch in illegalen Auto- und Waffenhandel involviert

Das Geschäft mit der Ware Frau boome, sei längst gesellschaftsfähig geworden, ist Ludwig überzeugt. In der Rotlichtszene gehe es aber nicht nur um Frauen, sondern auch um den illegalen Handel mit Autos, Waffen und legalen Dokumenten. Viele der aus Nicht-EU-Ländern stammenden Prostituierten würden sich mit legalen litauischen Pässen ausweisen, bestätigt auch Gewerkschafter Wendland.

Dass die Rotlichtszene im Brandenburger Grenzland kaum auffällt, ist für Ludwig nicht verwunderlich. "Es gibt hier kaum einschlägige Etablissements - die Region wird von polnischen Prostituierten betreut", sagt sie. Ohne Grenzkontrollen kommen die osteuropäischen Huren über die Grenze zur Arbeit. So sei es auch mit den bulgarischen Mädchen auf dem Ostbrandenburger Straßenstrich: Nach den Beobachtungen von "Belladonna" werden sie morgens per Auto gebracht und abends wieder abgeholt - der Transfer sei perfekt organisiert.

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