Rechtsextremismus : Noel Martin will zurück nach Brandenburg

Vor zehn Jahren wurde sein Leben in Mahlow von Neonazis zerstört. Der durch die Attacke querschnittsgelähmte Noel Martin kann sich dennoch vorstellen, Menschen in Brandenburg über sein Schicksal aufzuklären.

Annette Kögel
Noel Martin
Noel Martin möchte über sein Schicksal aufklären. -Foto: dpa/Annette Kögel

Birmingham/MahlowGerade hat Noel Martin neuen Lebensmut gefasst. „Ja, wenn mein Gesundheitszustand es zulässt, würde ich gern nach Deutschland reisen, um mit den Menschen dort über mein Schicksal oder auch mein Buch zu reden“, antwortet der 48-Jährige auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, noch einmal nach Brandenburg zu kommen. Doch müsse ihn die Landesregierung einladen oder Sponsoren müssten für den Flug aufkommen, sagt er, denn die Pflege sei so teuer, dass er sich darüber hinaus wenig leisten könne.

Noel Martin, das ist der Mann, dessen Leben Neonazis in Mahlow vor zehn Jahren durch eine ausländerfeindliche Attacke von einer Sekunde auf die andere zerstörten. An seinem Geburtstag im Juli dieses Jahres wollte der Querschnittgelähmte eigentlich dank Sterbehilfe in der Schweiz aus dem Leben scheiden – „doch noch habe ich viele Dinge zu erledigen“.

Immer noch erreichen ihn viele Briefe aus aller Welt, etwa von Schülern aus Brandenburg, die sein Buch „Nenn es: Mein Leben“ gelesen haben – und ihn anflehen, nicht Schluss zu machen. „Aber es ist für mich sehr wichtig, diese Möglichkeit zu haben zu verschwinden“, sagt der Schwerstpflegebedürftige. Wann er „den Stecker zieht“, wie er manchmal sagt, darauf will er sich nicht festlegen. „Das kann im Januar sein oder im Februar, das entscheide ich von Tag zu Tag.“

Die aktuellen Diskussionen, die sich um die Sterbehilfeorganisation Dignitas in der Schweiz ranken, beschäftigen ihn sehr. Dort müssen die Helfer ständig umziehen, weil Nachbarn nicht dauernd mit Särgen und Autos von Bestattungsunternehmen konfrontiert werden wollen. „Doch das ist ein Teil der Realität, die die Leute akzeptieren sollten. Die Menschen sterben auch auf offener Straße im Straßenverkehr“, sagt Martin.

Lange war er bettlägerig, jetzt kann er wieder öfter aufstehen, leidet aber immer noch unter wunden Druckstellen. Doch er freut sich „darauf, dass mein Sohn Negus bald Vater wird und ich Opa“.

Bevor er aber „verschwindet“, wie er sagt, will er noch sein Haus vermieten, um eine neue Charity-Stiftung für benachteiligte Kinder in Jamaika und Afrika zu begründen. „Es gibt auch noch viele Dinge mit Anwälten und andere Formalien zu regeln.“ Noel Martin sagt, er habe nicht gedacht, „dass Sterben so eine anstrengende Angelegenheit sein würde“.

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