Der Tagesspiegel : Rhinland-Reitpark: Wer reitet da so spät im Jahr durch Nacht und Wind?

Claus-Dieter Steyer

Das ungewöhnlich milde Wetter bringt auch das Leben auf den Reiterhöfen rund um Berlin etwas durcheinander. An Winterruhe ist nicht zu denken, wie ein Abstecher in den Rhinland-Reitpark in Staffelde am nördlichen Berliner Autobahnring zeigte. Während in anderen Jahren Reiter und Tiere oft dick verpackt zur Pferdemesse "Hippologica" in den Messehallen unterm Funkturm reisten, fallen schützende Decken und Bekleidung diesmal dünner aus.

Im Reitpark herrscht reger Betrieb wie zur schönsten Sommerzeit. Eine Reitergruppe kehrt von einem "herrlichen Ritt durch die Morgenluft" zurück, wie Sabine Zuckmantel schwärmt. Sie gehört zur Gruppe der Wanderreiter, die auf der "Hippologica" Spezialangebote unterbreiten. Ziele sind unter anderem das Baumblütenfest in Werder, die Festtage Alter Musik in Rheinsberg und der Kunstsommer in Netzeband. Mehr als 25 Kilometer werden pro Tag nicht zuückgelegt. "Es soll schließlich für Mensch und Pferd ein Vergnügen gleichermaßen sein", erklärt die leidenschaftliche Reiterin. Auch Silvester finde ein Ritt statt. Schlechtes Wetter kann die Wanderreiter ohnehin nicht stören. Es wird sogar ein "Sauwetter-Ritt" offeriert. Jeder Interessent erhält dafür einen australischen Wanderreitmantel und einen Südwester für den Kopf. "Es gibt an solchen Tagen keine Mücken. Und uns werden noch weniger Menschen begegnen als sonst", heißt es im Prospekt der Wanderreiter.

Die Touren mit den Pferden der Rassen Berber und Araber-Berber beginnen gleich hinter dem Reitpark. Am Zaun beginnt das Rhinluch mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Das ausgedehnte Feuchtwiesengebiet ist ideal für Reiter. Gut gelaunt präsentieren sich die Wanderreiter-Pferde beim Abstecher. "Sie wollen am liebsten gleich wieder los", erklärt Sabine Zuckmantel die Zutraulichkeit. Natürlich können sich Interessenten auch mit eigenen Pferden an einer Tour beteiligen.

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