Der Tagesspiegel : Scharfer Nachgeschmack

Wie kommt eigentlich Berliner Currywurst bei unseren internationalen Gästen an? Wir haben es getestet

Jens Mühling

Abschiedsstimmung herrscht auf dem Messegelände. Morgen werden Hunderte von Ausstellern aus allen Teilen der Welt ihre Stände abbauen und in ihre Heimatländer zurückkehren. Den meisten ist während der Messe kaum Zeit für Spaziergänge durch Berlin geblieben, was manche sehr bedauern: „Wir kennen eigentlich nur das Messegelände und unser Hotel“, sagt beispielsweise Juri Wassilitsch, ein Lebensmittelhändler aus Jamal, einer nordrussischen Region jenseits des Polarkreises. Immerhin hat er eine Currywurst probiert, die ihm als echte Berliner Spezialität empfohlen wurde. „Sie hat nicht schlecht geschmeckt“, sagt Wassilitsch, „aber die bayerischen Würste haben mir ehrlich gesagt besser gefallen.“

Swetlana, Ljuba und Aljona kommen ebenfalls aus Jamal und führen während der Grünen Woche an Wassilitschs Stand Folklore-Tänze auf. Von Currywurst haben sie noch nie gehört, aber zu einer Verkostung lassen sie sich gern überreden. Obwohl die drei nach dem ersten Bissen tapfer lächeln, werden sie nicht so richtig warm mit dem Berliner Klassiker: „Wir sind eher an Fisch gewöhnt. Wurst gibt es in Jamal nur selten, und wenn, dann ist sie aus Rentier.“

Auch Mohammed Jaffir kann der Currywurst nicht viel abgewinnen. Der Marokkaner lebt in Berlin und verkauft bei der Grünen Woche Gewürze und Süßigkeiten aus seiner Heimat. „Currywurst ist bestimmt ein gutes Gericht für zwischendurch“, sagt er, „aber in der marokkanischen Küche nimmt man sich generell sehr viel Zeit fürs Kochen und fürs Essen. Deshalb werden Dinge wie Currywurst wohl nie zu meinen Lieblingsgerichten gehören.“

Gibt es denn hier wirklich niemanden, der eine Lanze für den Berliner Klassiker bricht? Doch, gibt es: Ajoy Chatterjee ist ein erklärter Fan der Currywurst. Der Inder leitet eine Hamburger Handelsgesellschaft, die Gewürze und Tees importiert. Die Kombination von deutscher Wurst mit indischen Gewürzen findet Chatterjee überhaupt nicht merkwürdig: „Im Gegenteil, gerade der Kontrast ist reizvoll. Außerdem trägt das zur Völkerverständigung bei.“ Chatterjee empfiehlt sogar eine spezielle Curry-Mischung zur Zubereitung der Berliner Spezialität: Sie kommt von der indischen Malabar- Küste, enthält Ingwer, Zimt, Kardamon, Zwiebelsamen, Chili, Pfeffer, Kreuzkümmel und Kurkuma – und passt laut Chatterjee „hervorragend zu gebratener Wurst“. Dann ist da noch Erwin Greis. Auch er kommt aus einem eher exotischen Teil der Welt: aus Bayern. Er läuft mit Lederhose und Gamsbart über die Messe, um Werbung für ein lokales Bier zu machen. Am Stand nebenan hat er mal Berliner Kindl probiert. „Das war nicht so gut wie unser Bier, aber ganz anständig.“ Currywurst hat Greis noch nie gegessen. „Aber die gibt’s auch bei uns in Bayern – bei McDonald’s, glaube ich.“

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