Schiller am Abend : Corinna Harfouch liest auf dem Gut Sarnow

Ein literarischer Abend im gläsernen Saal von Gut Sarnow.

Karin Erichsen
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Foto: ddpddp

Wer im gläsernen Saal von Gut Sarnow sitzt und in die Natur hinaus blickt, muss ganz einfach romantisch werden: Nebel liegt jetzt auf den Wiesen und seltsam still scheint das Land. Hirsche treten bei Dämmerung aus dem Wald, verharren, spähen aus der Ferne zum Hof und ziehen im Zwielicht davon. Drinnen, im Warmen, wo ein Ofen prasselt, wird am Freitag Corinna Harfouch hier Schillers Balladen lesen.

In der Reihe „KulturGut“ ist die Schauspielerin zu Gast bei Kristina und Ulrich Sievers. Das junge Paar aus Berlin hat vor gut einem Jahr den Hof Sarnow bei Groß Schönebeck am Rande der Schorfheide gekauft. Das Anwesen „Gut“ zu nennen, führt ein wenig auf die falsche Fährte – denn wer ein Schlösschen erwartet, wird enttäuscht. Alle anderen aber werden sich begeistern können für das geräumige Haus mit dem großen gläsernen Anbau, umgeben von einem halben Dutzend Stall- und Wirtschaftsgebäuden und einer atemberaubend schönen Landschaft.

Derzeit wird der Koppelzaun geflickt, denn ab kommender Woche sollen hier wieder Pferde weiden. Die Stallanlagen sind schon hergerichtet und auch die Reithalle wurde instand gesetzt. Schon zu DDR-Zeiten, seit Ende der 1960er Jahre, ist Gut Sarnow als Gestüt betrieben worden. Nach der Wende wurde das Gut privatisiert, ließ sich aber bald nicht mehr halten. Wechselnde Eigentümer versuchten mit Reitangeboten, Hotel- und Restaurantbetrieb ihr Glück – erfolglos. Nun soll alles anders werden. In zäher Wochenendarbeit haben die Sievers in den Holunder- und Brombeerwucherungen gerodet, tonnenweise Bauschutt entsorgt, die Gebäude gestrichen und mit deren Sanierung begonnen. Auch die Gaststätte und die Hotelzimmer sind verändert worden, wenn auch nur behutsam, denn große Summen können der Wirtschaftsberater und die Doktorandin nicht aufbringen. Also wurden erstmal Bilder und Accessoires ausgetauscht, um den Charme der 80er Jahre zu vertreiben. Schrittweise sollen auch Tische und Schränke durch alte Landhausmöbel ersetzt werden. Ein neuer Koch wurde eingestellt, der exzellenten Wildbraten bereiten kann.

Zum Anwesen gehört eine Jagd, und die Schorfheide ist für ihre Wildbestände bekannt. Auch haben die Sievers inzwischen eine neue Pächterin gefunden, die mit eigenen Pferden den Reitbetrieb wieder aufnimmt. Es muss leben in die Hallen, da sind sich alle einig.

Im Sommer hat die Orchesterakademie der Berliner Staatskapelle den Auftakt zur Reihe „KulturGut“ gesetzt. Da erklangen zum erstem Mal Mozart, Ravel und Dvorak in einer Scheune, die erst wenige Tage zuvor ihren hölzernen Dachstuhl und einen festen Lehmboden bekommen hatte. In den Pausen schenkten die Sievers Kaffee aus, dazu gab es selbst gebackenen Kuchen. Am Abend wurde zum ersten Mal das große Feuer entzündet.

Kleine Kulturfeste stehen nun regelmäßig auf dem Veranstaltungskalender. Außer Corinna Harfouch wird in diesem Jahr noch der Conférencier Lothar Wolf mit Weihnachtsgeschichten zur Feuerzangenbowle auf dem Gut Sarnow gastieren, vor dem prasselnden Ofen im gläsernen Saal. In den Scheunen herrscht dann Weihnachtsmarkttreiben. Karin Erichsen

Der literarische Abend mit Corinna Harfouch beginnt am Freitag um 20 Uhr (Einlass ab 18 Uhr). Am Sonntag, den 13. Dezember, gibt es um 15 Uhr Feuerzangenbowle und Geschichten. Weitere Infos unter: www.gut-sarnow.com

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