Schule : Hochbegabte Kinder sollen individuell gefördert werden

Bildungsminister Rupprecht will begabte Kinder besser fördern. Zum kommenden Schuljahr werden im Land sechs "Stützpunkte zur Begabtenförderung" eingerichtet.

Thorsten Metzner

Potsdam - Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) will begabte Kinder besser fördern. Zum kommenden Schuljahr 2007/2008 werden im Land sechs „Stützpunkte zur Begabtenförderung“ eingerichtet, wo Eltern von hochintelligenten Hilfe suchen können. „Jedes Kind muss individuell gefördert werden“, sagte Rupprecht gestern. Bislang waren die Eltern solcher Kinder oft allein gelassen, wenn ihre durchaus schwierigen Kinder mit oft nicht erkannter hoher Intelligenz im normalen Schulbetrieb unterfordert waren und deshalb verhaltensauffällig wurden.

Ansprechpartner an den sechs Stützpunkten sind 25 speziell ausgebildete Lehrer, die die Aufgabe zusätzlich zu ihrer Unterrichtsverpflichtung übernehmen. „Es sollen Praktiker sein, die den normalen Schulbetrieb kennen“, erläuterte Rupprecht. Einer von ihnen ist etwa Peter Wuttke, bislang Lehrer für Biologie und Chemie am Strittmatter-Gymnasium in Gransee, und mittlerweile zusätzlich auch Begabtenförderer im Nordwesten Brandenburgs. Er hat sich bereits um aeinige Kinder gekümmert. Wuttke nennt einen achtjährigen Jungen aus Oberhavel, der mit vier Jahren lesen konnte, mit fünf Jahren eingeschult wurde, in der Grundschule aber trotzdem bald nicht mehr zurecht kam. Unterfordert, von anderen Kindern gehänselt, habe er sich im Unterricht zurückgezogen, sei beinahe zum Schulverweigerer geworden. Jetzt sei gemeinsam mit der Grundschullehrerin und den Eltern eine Lösung gefunden worden, den Jungen individuell zu födern, zum Beispiel in einer Mathe-Arbeitsgemeinschaft und mit speziellen Modellen im Unterricht. Mit Erfolg, wie Wuttke berichtet. „Vor kurzem hat er gesagt: Schule ist nicht mehr ganz so schlecht. Und: Er würde gern mal seine Mitschüler in Englisch unterrichten.“ Man gehe heute davon aus, dass zwei von einhundert Kindern Hochbegabte seien, die man rechtzeitig erkennen müsse.

Die Stützpunkte sollen aber auch Schwächen im System der 34 neuen Leistungs- und Begabungsklassen ausgleichen, in denen Brandenburger Kinder ausnahmsweise schon ab der 5. Klasse – statt ab der 7. Klasse – die Gymnasien besuchen. Diese wurden nicht flächendeckend eingeführt. Rupprecht bedauerte, dass es mit der Prignitz, der Uckermark, den Landkreisen Elbe-Elster und Oberhavel „weiße Flecken“ gebe. Die neuen Stützpunkte, warnt deshalb der CDU-Bildungsexperte Ingo Senftleben, könnten den Mangel an Leistungsklassen nicht ersetzen. Thorsten Metzner

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