Der Tagesspiegel : Schulwesen: Private Bildungsanstalten erobern den Speckgürtel

Claus-Dieter Steyer,Susanne Vieth-Entus

Der Markt für teure Privatschulen in Berlin-Brandenburg ist noch klein - aber er wächst. Laufend kommen neue Schulen hinzu, zurzeit plant sogar die deutsch-chinesische Gesellschaft ein Gymnasium in Potsdam. Und die bereits etablierten Einrichtungen freuen sich über Zuwächse. "Die Schulen haben kein Problem, genügend Schüler zu bekommen", resümiert ein Sprecher des Bildungsministeriums: "Geld spielt keine Rolle". Demnächst eröffnet ein Internat in Rangsdorf.

Das neue Gymnasium im Süden Berlins entsteht auf einem früheren Militärgelände am Rangsdorfer See. Träger ist der 1994 von reformorientierten Pädagogen und Wissenschaftlern gegründete Verein "Die Neue Schule Nauen". "Bei uns sollen die Schüler lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen, zuerst für sich selbst", sagte Vereinschef Wolf-Dieter Hasenclever beim gestrigen Baufest. Es gebe verschiedene Wege, um die Jugendlichen weg vom Computer zu bringen und ihnen Selbstvertrauen anzuerziehen. Dafür biete die neue Seeschule mit Surfen, Segeln, Rudern, Wandern und Ausflügen in die nahe Natur alle Möglichkeiten.

Im Gymnasium werden die Schüler montags bis freitags bis 16 Uhr von auf dem Gelände wohnenden Lehrern betreut. Danach fahren die Pendler per Bus und S-Bahn nach Hause, während die anderen Schüler ins Internat ziehen. Die Jahresgebühr beträgt 4800 Euro. Der Verein betreibt in Nauen und Zepernick freie Gymnasien und wird mit Rangsdorf zum größten nicht-kirchlichen privaten Schulträger in Brandenburg. Vorbild des Konzepts sind laut Schulleiter Frank Hamann "bekannte westdeutsche Einrichtungen wie Schloss Salem". Der erste Bauabschnitt kostet 7,5 Millionen Mark.

Die Schul-, Internats- und Wohngebäude werden auf geschichtsträchtigem Boden errichtet. 1935 hatte das Reichsluftfahrtministerium beschlossen, in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rangsdorf einen Land- und Wasserflughafen zu bauen. Unter anderem entstanden ein Clubhaus des Deutschen Aeroclubs und Hallen für die Bücker Flugzeugwerke. Architekt der Bauten, die heute in das Schulensemble einbezogen werden, war Professor Ernst Sagebiel. Von ihm stammt auch der Tempelhofer Flughafen. Auf dem Rangsdorfer Gelände gaben sich Prominente die Klinke in die Hand. Heinz Rühmann hatte seine Privatmaschine stationiert. Auch Beate Köstlin erwarb hier 1937 als 18-Jährige den Flugschein. Unter dem Namen ihres Ehemannes Uhse wurde sie später auf ganz anderem Gebiet bekannt. Nach dem Kriegsende und bis zum Mai 1994 war hier ein Nachrichtenregiment der russischen Armee untergebracht.

Die neue Rangsdorfer Schule reiht sich ein in eine Kette von teuren Privatschulen im Speckgürtel, darunter die Internationale Schule in Neu Fahrland. Im September steht ihr Umzug mit über 220 Schülern in ein neues, geräumigeres Quartier nach Kleinmachnow an. Man will stadtnah bleiben, weil das Klientel zu über 50 Prozent aus Berlin kommt. Kindergartenkinder zahlen hier 13 500 Mark, Abiturienten müssen 21 500 Mark im Jahr hinblättern.

"Wir wachsen" heißt es auch in der British International School am westlichen Berliner Stadtrand. Neben einigen Botschaftsangehörigen gibt es hier auch Kinder, deren Eltern in großen internationalen Firmen wie Sony oder Rolls Royce arbeiten. Verstärkt melden sich aber auch deutsche selbstständige Unternehmer, die wollen, dass ihre Kinder perfekt Englisch lernen, berichtet Leiter John Marshall. Die Schülerzahl wird nach dem Sommer auf über 200 wachsen, darunter auch zunehmend Kinder aus Falkensee. Jetzt ist geplant, auch das Internationale Abitur zu vergeben. Dieser begehrte Abschluss ist bislang nur in Neu Fahrland und in der Steglitzer Kant-Schule zu bekommen.

Internate sind hier wie dort nicht angeschlossen. Dieses Zusatzangebot gibt es laut Schulministerium bisher nur am Evangelischen Gymnasium Potsdam, das die Hofbauer Stiftung betreibt.

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